Essay: Homo ludens
Bernard Senn.
Spielen Sie gerne? Dann sind Sie in bester Gesellschaft! Die meisten von uns spielen gerne. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Allerdings bewiesen ist damit noch gar nichts. Zum Beispiel nicht die These, ob wir die Entwicklung vom frühen Hominiden zum modernen Menschen unserer Fähigkeit zum Spielen verdanken. Wäre möglich, wird auch diskutiert. Würde einiges erklären. Denn dann wäre auch der Kapitalismus nur ein Spiel unter vielen. Ein gross angelegtes, aggressives «Trial and Error». Tatsächlich wird in Bankerkreisen gezockt und gegambelt, ist die Sprache der Börse derjenigen im Spielkasino nicht unähnlich, sind sowohl am Pokertisch wie am Indexbildschirm vornehmlich Männer zu Gange und damit ziemlich unverdünntes Testosteron.
Verloren! Jedenfalls für den Moment. Und leider so sehr, dass es weh tut. Das aber ist eigentlich nicht der Sinn des Spiels. Spiel soll im Idealfall nur kitzeln. Deshalb spielen wir ja auch so gerne. Wegen des Kitzels, wegen des Funkens Ehrgeiz, der entfacht wird in geselliger Runde, der kräftigen Prise Hoffnung, die jeden Würfelwurf begleitet. Nicht selten führt uns das Spiel auf das zurück, was wir nie ganz verlassen haben: das magische Weltbild. Ein Weltzusammenhang mit eigenen Regeln und Gesetzen, wo sich – mit ein paar Beschwörungsformeln – vielleicht sogar eingreifen lässt ins Schicksal.
Wer zu spielen beginnt, tritt aus der einen Realität heraus und in eine andere ein. Wohl denen, die artig wieder zurückkommen. Und Mitgefühl gegenüber allen, die jenseits verloren gehen. Wenn die Waldgeister rufen, war das immer schon gefährlich. Aber in der Regel ... in der Regel ist spielen eben gerade nicht gefährlich. Vielmehr erbaulich, anregend, lockernd, stützend – im schlimmsten Fall Zeit vertilgend. Es gibt jedoch weitaus dümmere Arten, Zeit zu vernichten. Also: Tun Sie’s doch mal wieder. Vielleicht kommen Sie dabei auf ganz neue Gedanken. Wir haben es auch getan. Zum Planungsauftakt des Hörpunkts «Würfel, Brett & Spielkonsole – von der Lust am zweckfreien Tun». Wir haben gespielt, statt ordentlich zu «sitzen», und kamen so schliesslich auf die Idee, aus
einem Hörpunkt-Tag zum Thema Spiel eine kleine Spielshow zu machen. Warum auch nicht?
Das ist übrigens ab jetzt Programm, dass der Hörpunkt spielerischer wird. Und kürzer, wendiger und am selben Tag wiederholbar. So dass Sie, wenn Sie am Morgen nicht können, auch noch am Abend Gelegenheit haben, einzusteigen. Oder umgekehrt. Die Wahl zwischen mindestens zwei Möglichkeiten gehört ja ebenfalls zum Wesen des Spiels.
Wenn Sie mitspielen, werden Sie als Publikum und wir als Hörpunkt-Macherinnen und -Macher in Zukunft eine Menge Spass miteinander haben. Achten Sie mal drauf: der neue Hörpunkt, immer am Zweiten im Zwei.
