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31.08.2009

Film-Tipp: Keine Zeit für Woodstock

Nach «Brokeback Mountain» stellt Ang Lee wieder einen Schwulen in den Mittelpunkt seines neuen Films «Taking Woodstock» und schafft es, das Schwulsein genauso beiläufig zu inszenieren wie die Musik von 1969.

Beim Inspizieren des Konzertgeländes. (Ascot Elite)

Der Mann, der im Jahr der ersten Mondlandung das legendäre Rockfestival von Woodstock ermöglichte, hat alle Konzerte verpasst. Elliot Teichberg hatte schlichtweg keine Zeit, Janis Joplin, Jimi Hendrix und Konsorten anzusehen. Dennoch hatte er einen Riesenspass.

Es ist der Running Gag des Films, dass Elliot (Demetri Martin) an jedem der drei Festivaltage versucht, bis zur Konzertbühne vorzudringen, aber jedes Mal irgendwo in der Masse der 500'000 Gäste stecken bleibt. Dennoch erlebt er Love & Peace und findet seinen eigenen Frieden, indem er endlich zu seiner Homosexualität steht. Fasst man die Handlung des Films auf diese Weise zusammen, mutet die Story fast banal an. Damit täte man Ang Lees grossartig inszeniertem Film aber Unrecht. Denn der Regisseur versteht es einmal mehr, mit den Banalitäten des Alltags eine Geschichte zu erzählen, die berührt, unterhält und stellenweise beeindruckt.

Konzert auf Kuhweide

Statt die Rockstars ins Zentrum zu rücken, konzentriert sich Lee auf den Mann, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Als Elliot erfährt, dass das Musikfestival im benachbarten Woodstock nicht stattfinden darf, springt er in die Lücke und holt das Festival in das kleine Provinznest Bethel. Dort, auf der Kuhweide seines Nachbarn, findet das Happening vom 15. bis 17. August 1969 schliesslich statt. Letztlich zeigt «Taking Woodstock», was möglich ist, wenn Menschen über ihren Schatten springen und alle am selben Strick ziehen.

Ob alles tatsächlich so stattgefunden hat, sei dahin gestellt. Lee geht es ja auch nicht um historische Genauigkeit, sonst hätte er einen Dokumentarfilm gedreht. Dem Regisseur geht es vielmehr darum, den Geist von damals aufleben zu lassen. Und das gelingt ihm auf fast magische Weise. Als Zuschauer wird man vom friedlichen Fluss der Ereignisse davon getragen, würde am liebsten auch mit den Hippies den Schlammhang hinunter schlittern oder im VW-Bus auf einen Acid-Trip gehen, der im Hirn so tolle «Visual Effects» bewirkt. Ist das naiv? Ja, und es macht grossen Spass.

Love & Peace - ja, aber...

Dennoch zeigt Ang Lee auch die Kehrseite der Medaille, indem er zwei gegensätzliche Vietnam-Veteranen auftreten lässt. Emile Hirsch verkörpert den Kriegsveteranen, der an der Last seiner Erlebnisse fast zerbricht, während Liv Schreiber als schwuler Ex-Soldat brilliert, der in Frauenkleidern selbstbewusst seinen Platz in der Welt einnimmt. Und als Sicherheitsmann auf dem Festivalgelände verhindert er entschlossen, dass hinterwäldlerische Hippiefeinde den Frieden stören.

Noch ein Wort zur Musik: Ang Lee überrascht auch auf der Tonspur, da sich dort diverse Interpreten tummeln, etwa The Doors, die am Woodstock Festival gar nicht auftraten. Hört man auf der Tonspur die Musik der live spielenden Bands, wummert sie meist nur leise im Hintergrund, da der Protagonist Elliot ja nie näher an die Bühne gelangt. Erst auf der Soundtrack-CD erklingen die Live-Aufnahmen in voller Lautstärke. Einer der eindrücklichsten Titel des Soundtracks ist «The Red Telephone» der progressiven, heute fast vergessenen Gruppe Love, ebenfalls keine Woodstock-Band. Love-Songzeilen wie «I believe in magic» oder «We're all normal and we want our freedom» hört man während Elliots Acid-Trip mit einem Hippie-Pärchen. Eine tolle Reise in die Zeit, als «far out» der absolute Modespruch der US-Jugend war.

Kritik meines DRS-Kollegen Michael Sennhauser

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