Buch-Tipp: «Septemberleuchten»
Kron, die Hauptfigur, trifft – Zufall oder nicht, zuerst weiss er es nicht, später spielt es keine Rolle mehr – in der Stadt auf zwei Bekannte. Beim anschliessenden Abendessen ist ein vierter Mann dabei, der schweigsam ist und nicht reagiert, auch nicht, wenn er von Krons Bekannten provoziert wird.
Zu viert fahren sie an einen See; der Abend scheint ein gemütlicher zu werden, es wird getrunken und geredet, gar gesungen, doch auf einmal schlägt einer von Krons Bekannten den Schweigenden, der auch das stoisch ruhig hinnimmt. Es fliesst immer mehr Alkohol, die Zankereien häufen sich, immer wieder scheint sich die Lage zu entspannen, es wird nackt gebadet und Schokolade gefuttert; als ihr Auto gestohlen wird, scheinen sich die Männer kurz in der Suche zu verbünden, doch dann explodiert die geladene Stimmung.
Kron fasst nicht, was vor sich geht, dass der Schweigende von Beginn an das Opfer war. Auch Kron wird tätlich, angesteckt vom Moment, vielleicht davon, sich durch die Verbündung mit den Bekannten nicht selber zum Opfer zu machen. Als die Männer nach Hause aufbrechen, scheint äusserlich alles wie zuvor. Als wäre nichts geschehen.
Die Perspektive des Roman ist passend: Kron gibt die Chronologie des Verbrechens zu Protokoll, möglicherweise bei der Polizei. Er schönigt nicht, schuldigt aber auch nicht an. Nicht, um die Mittäter nicht zu belasten, viel eher scheint er selber nicht mehr entwirren zu können, wie schnell und einfach er zum Täter einer Tat wurde, die ihn lebenslang belasten wird.
«Septemberleuchten» ist ein Muss für: Warm Angezogene. Das Gewaltgewitter geht an die Nieren.
Das Buch:
Martin Gülich «Septemberleuchten»
Nagel & Kimche, 122 Seiten
ISBN 978-3-312-00443-0
CHF 26.90
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