Buch-Tipp: «Was uns blüht»
«Was uns blüht» ist ein Muss für: Drachenpiloten, die selber in alle Lüfte steigen wollen; das Buch lädt zum stillen Reisen ein. Ein Roman, überraschend und schön wie der erste Schneefall des Jahres.
Die Schweizer Schriftstellerin Theres Roth-Hunkeler hat mit «Was uns blüht» ihren vierten Roman veröffentlicht, der uns in zweierlei Gebiete ent-ver-führt. Nach Island und in einen Familienkosmos: Alma, Sohn Fab und der «fliegende Robert» so nennen Mutter und Sohn Mann und Vater, der sich in eine andere Frau verliebt hat, bemüht versucht, mit seiner Familie im Gespräch zu bleiben, seine Aufmerksamkeit aber bald nicht mehr teilen kann und aus dem Kosmos verschwindet.
Dies ist aber nicht die Geschichte einer sitzengelassenen Frau. Dies ist die Geschichte einer Frau, die ihre Schwächen kennt, sich zwar noch immer von ihnen ärgern lässt, sich aber nicht im Stich lässt. Von einer Frau, die sich treu bleibt. Die beweglich bleibt. Sie lernt Massimo kennen, der einen schweren Rucksack trägt. Darin: Trauer um seine Frau, die ums Leben gekommen ist und wenig Worte.
Wenn sich zwei Leute zusammentun, die das mühselige Glück erlebt haben, dass ihnen die Illusionen geraubt wurden, hat alles Platz: Die Zeit, die Launen, die Verschiedenheit. Wir lernen diese Beziehung kennen, in Briefen und Begegnungen, in ihrer ersten gemeinsamen Reise zu Fab. In «Was uns blüht» erzählt auch er, Almas Sohn.
Er schildert die Mutter, die Insel, die Freundin und Bibi, eine dicke, junge Frau, die Pflanzen malt («Diese aquarellierte Vegetation war in Bewegung») und die ihn auf verblüffende Weise anzieht.
Island ist waldarm, keine/r kann sich verstecken. Immer wühlt einer der zig verschiedenen Winde auf. Die Familie ist in Bewegung, die Autorin skizziert sie herbzart, findet passende Metaphern für die Befindlichkeiten: «Du weißt, wie der Hase läuft. Nochmals beginnen. Nochmals von vorn. Nochmals wie Anfänger im Ballsaal sein, ein paar Aufwärmübungen machen und dann loslegen, nach allen Regeln der Kunst, obwohl dir noch nie eingeleuchtet, hat, dass ausgerechnet die Kunst Regeln haben soll.» (Alma zu sich selber, über die Verbindung mit dem Massimo.)
Das Buch:
Theres Roth-Hunkeler
«Was uns blüht»
Roman, 276 Seiten
Verlag Pro Libro Luzern, 2009
ISBN 978-3-9523525-5-7
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