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16.02.2010

Buch-Tipp: Thomas Schenk «Im Schneeregen»

«Im Schneeregen» ist ein Muss für Offenherzige. Der zarte Band schmilzt beim Lesen zwischen den Fingern, tropft seinen dichten Text direkt in den offenen Leseleib hinein und fliesst ins Herz.

Thomas Schenk, dessen Tram-Kolumnen viele begeisterten, legt einen zauberhaften Roman vor (©Christof Schürpf)

Im Schneeregen
von Thomas Schenk

Buch
CHF 11.90

  • Kaufen

Wenn Sie Thomas Schenk nicht kennen, dann haben Sie ... ein Auto. Stimmts? Thomas Schenk hat sich, als er noch für die Verkehrsbetriebe Zürich Tram gefahren ist, mit seinen Kolumnen - Beobachtungen eines Tramchauffeurs - die in «20Minuten» erschienen sind, in die Herzen der Pendler geschrieben. Im Limmat-Verlag erschien 2007 die Sammlung schliesslich unter dem Titel «Im Tram. Anleitung zum Vorwärtskommen». Tempi passati.

Der 1966 in Baselland aufgewachsene Journalist und PR-Berater hat mit «Im Schneeregen» ein Romandebüt vorgelegt, das nichts mit Tramfahren oder Verkehrsregeln zu tun hat. In diesem Buch-Bjoux mit seinem bezaubernden Cover (in weiss gehalten, zwei Kissen auf einem Bett sind zu Bergen aufgeschüttelt) geht es um ein Phänomen: Man glaubt, das Leben unter Kontrolle zu haben, wenn man auch die allerkleinsten täglichen Verrichtungen plangemäss durchführt.

Hauptfigur Matthias Schwitter ist organisiert: Wohnung, Arbeit, Sport, Ernährung - alles in der vermutet richtigen Menge zur vermutet richtigen Zeit. Mit Beatrice tritt eine Frau in sein Leben, die spontan agiert, einfach «draufloslebt».

Schwitter fügt sich seiner Zuneigung wegen und die Kontrolle schlittert ihm davon: Die Lebensmittel verderben, er liest die Zeitung nicht mehr. Er fürchtet sich davor, dass dadurch «etwas» geschehen könnte, irgendetwas, das nicht geschieht - oder doch? Man findet Schwitter zwischen Einsiedeln und Iberegg im Wald, an eine Tanne gelehnt. Unversehrt, bis auf die Erschöpfung und Unterkühlung und einen verletzten Fuss.

Das Buch zeigt mit dichter Sprache Schwitters Weg bis zur Tanne und ein Stück seines Weges danach. Und wenn Schenk schreibt, dass Schnee und Regen in all ihren Formen in Worte gefasst worden sind, der Schneeregen aber nicht, liest sich das wie eine Metapher: Dass wir glauben, die Dinge kontrollieren zu können - bis sie ihre Form ändern. 

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