Buch-Tipp: Annette Hug «In Zelenys Zimmer»
Es ist beeindruckend, wie authentisch Hug in ihrem Roman «In Zelenys Zimmer» menschliche Wankelmütigkeit und emotionale Achterbahnfahrten abbildet.
Fünf Menschen, jüngere, ältere, Männer und Frauen, machen aus unterschiedlichen Gründen eine Psychoanalyse bei Frau Zeleny. Der Leser ist das sprichwörtliche Mäuschen im Therapiezimmer. Ist das Buch damit also ein Sammelsurium an intimen Einblicken in verschiedene Leben? Nein, so einfach ist es nicht.
Der Boden bebt, die Wände leben
Die Schweizer Schriftstellerin Annette Hug schildert keine Ursachen von Befindlichkeiten oder deren Auflösung. Sie zeigt Momente der Therapie.
Nehmen wir Frau Schädler, eine Frau mittleren Alters, schockiert von der Trennung von ihrem Mann. Sie fällt in Aktivismus, versteigt sich in Worthülsen, ist ambivalent: Sie sucht Hilfe, um sie total abzulehnen oder sich in überschwänglichem Dank dafür zu verlieren. Ihr Boden zittert stets, fängt dann an zu beben: In Schädler Vorstellung werden die Wände lebendig, ihre innere Bilderwelt dehnt sich auf einmal zu schnell aus. Frau Zeleny schickt sie ins Krisenzentrum.
Fast nicht auszuhalten
Ausser den Patienten, deren komplexe Lebenssituationen die Autorin meisterlich arrangiert - eindringlich, greifbar - ist es Frau Zeleny selber, über die man mehr erfahren möchte. Hug lässt sie durch die Schilderungen der Patienten entstehen: Die Betrachtung ist subjektiv und in den wenigen Momenten, in denen man Vera Zeleny privat erlebt, berührt das seltsam, es ist nah, fast zu nah: Es ist grundsätzlich eine grosse Qualität des Buches, dass es manchmal fast nicht zum Aushalten ist.
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