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23.11.2010

Buch-Tipp: Susanna Schwager «Ida»

«Ida» ist ein Buch für Lebenslustige. Mit einem Humor, der sich glänzend wie Silberfäden im schwarzen Haar durch das Buch zieht, erzählt Susanna Schwager die Geschichte einer Frau und die Geschichten derer, die mit ihr verbunden sind.

In «Ida» erzählt Susanna Schwager das Leben ihrer gottesfürchtigen Grossmutter.

Ida
von Susanna Schwager

Buch
CHF 36.90

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Susanna Schwager schenkt Stimme, sie schreibt, wie anderen der Schnabel gewachsen ist. In ihren erfolgreichen Büchern «Das volle Leben» erzählen Frauen und Männer über 80 aus ihrem Leben. Die Autorin hat zugehört und gibt ihre Erzählungen wieder.

In den Büchern «Fleisch und Blut» und «Die Frau des Metzgers» tut sie selbiges, im Mittelpunkt steht jeweils eine Person. Nun geht es um Ida. Sie erzählt nicht selber, Susanna Schwager beschreibt sie, ihr Leben und die Zeit, in der sie gelebt hat.

Ein gottgefälliges Leben
«Ida» ist eine bildhaft erzählte, warmherzig detailverliebte Geschichte, deren Sprache man voll auskosten kann, wenn man langsam liest. Dass Ida die Grossmutter der Autorin ist, ist für den Lesegenuss wertvoll, aber nicht entscheidend.

Ida Silber wird 1902 im Hinterthurgau in eine Familie geboren, die mehr auf Gott als auf die eigene Familie vertraut. Ida lernt es nicht anders und wählt ein gottgefälliges Leben. Als sie Johann heiratet, den sie aus der Pfarrei kennt, weint sie die ganze  Hochzeit lang: «Ida heiratete Johann, weil sie heilig werden wollte. Sie liebte einen anderen, mit dem sie sich erst nach dem Tod vereinigen konnte, erst nachdem sie den verachtenswerten Leib losgeworden war.»

Mit angehaltenem Atem
Nach der Hochzeit ziehen Ida und Johann ins wirtschaftlich wachsende Oerlikon. Idas Leben gilt Gott, ihre sechs Kinder kommen zu kurz, Idas Wärme staut sich auf. Als der älteste Sohn Hans mit 25 an Leukämie stirbt, entweicht ihr mit einem Schlag alle Wärme, sie bleibt kalt und nun auch leer zurück, vergisst mit der Zeit, dass sie im ganzen Haus Geld versteckt hat, das sie zugunsten der Kirche investieren wollte.

Susanna Schwager dreht beim Erzählen das Kaleidoskop. In immer wieder anderen Farben und Mustern zeigt sie uns Thurgauer Geschichte(n), Zürcher Geschichte(n), Frauengeschichten, Männergeschichten, allesamt vor dem schillernden Hintergrund des beginnenden 20. Jahrhunderts. (kum)

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Tania Kummers Kritik zu Susanna Schwagers Roman «Ida»
Hören (3:12)

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