Buch-Tipps: Kinder in Konfliktzonen
Als sie 12 Jahre alt war, wurden Mariatu im Bürgerkrieg in Sierra Leone die Hände abgehackt.
Tipp 1: Mariatu Kamara & Susan McClelland «Das Mädchen ohne Hände»
Mariatu Kamara kommt 1986 im Dorf Magborou in Sierra Leone zur Welt. In der westafrikanischen Republik herrschte von 1991 - 2002 ein grausamer Bürgerkrieg, bei dem Rebellen gegen die Regierung kämpften. Unter diesem Krieg litt - wie immer im Krieg - vor allem die Zivilbevölkerung.
Ohne Hände kann man nicht wählen
Mariatu ist zwölf Jahre alt, als sie von Palmöl träumt. Ihre Grossmutter sagte stets, dass, wenn man von Palmöl träumt, bald Blut vergossen wird. Am Tag nach diesem Traum kommen Rebellen in die Gegend, in der Mariatu wohnt.
Die Rebellen - die meisten davon Kindersoldaten - richten ein Massaker an: Sie töten und verstümmeln die Menschen, Mariatu und vielen anderen hacken sie die Hände ab. Diese Grausamkeit haben sich die Rebellen ausgedacht, damit die Menschen die Regierung nicht mehr unterstützen können - ohne Hände kann man nicht wählen und keinen Reis für die Regierungstruppen anpflanzen.
Wunden, die nie mehr heilen
Mariatu kämpft sich erschöpft und im Schock zum nächsten Dorf. Von dort aus wird sie in ein Krankenhaus gebracht. Nun ist sie zwar in Sicherheit - aber kann derartige seelische Verwundung je wieder heilen?
In Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, lebt sie im Flüchtlingslager und fällt beim Betteln Journalisten auf. Durch deren Berichte wird Mariatu bekannt und von einer Familie in Toronto aufgenommen. Dort hilft ihr eine Journalistin dabei, dieses Buch zu schreiben, das die Geschehnisse aus Mariatus Sicht schildert und fassungslos macht. Aber es zeigt auch eine engagierte junge Frau: Mariatu hat eine Stiftung, die Mariatu Foundation gegründet, die Kriegsopfer unterstützt.
Tipp 2: Jürgen Todenhöfer «Andy und Marwa»
Der deutsche Politiker Jürgen Todenhöfer stellt zwei junge Menschen vor: Marwa aus dem Irak, die Ärztin werden will und Andy, der als Teenager eine Ausbildung bei den Marines macht. Ohne dass sie einander je begegnen, vereint sich ihr Schicksal am 7. April 2003.
Andy aus Tampa, einer Stadt im Bundesstaat Florida in Amerika
Andy, Jahrgang 1985, ist ein neugieriger Bursche mit Charme und Ehrgeiz. 2001, einige Monate vor dem 11. September, verpflichtet er sich für eine Ausbildung bei den Marines, niemand denkt an Krieg.
Andy reizt die Ausbildung wegen der sportlichen Herausforderung und dem Sackgeld. Doch als 2003 der Krieg der «Koalition der Willigen» gegen den Irak beginnt, wird Andy nach Kuwait geflogen, von dort aus soll seine Einheit die Grenze zum Irak passieren und Krieg führen.
Marwa aus Sabah Qusur, einem Armenviertel in der Nähe von Bagdad
Der Irak ist die Heimat von Marwa, die 1991 geboren wurde. Sie hat nichts, ausser einem grossen Traum: Sie will Ärztin werden. Bis am 7. April 2003.
An diesem Tag wird ihr Viertel bombardiert und eine Splitterbombe zerfetzt ihr Bein. Andy ist am gleichen Tag in der Nähe von Marwa: Er wird vor den Toren von Bagdad von einer irakischen Granate aus dem Panzer geschleudert und getötet.
Dank Jürgen Todenhöfer wird Marwa die Operation ihres Beines in Deutschland gesponsert. Ihr Körper wird heilen, im Gegensatz zu ihrer verletzten Seele: Marwa findet nicht aus ihrer Traurigkeit. Die Eltern von Andy hat Todenhöfer nach dem Tod ihres Sohnes oft besucht.
«Andy und Marwa» zeigt die Lebensumstände verschiedener Menschen, politische Zusammenhänge und die Absurdität des Krieges. Das Buch weckt nicht nur auf, es rüttelt einen geradezu wach. (kum)
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