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15.04.2010

Stil-Tipp: Die neusten Möbeltrends

In Mailand findet diese Woche der Salone di mobili statt, die weltweit wichtigste Möbelmesse, an der die Wohn- und Einrichtungsbranche die Trends fürs nächste Jahr zeigt. Stil-Experte Jeroen van Rooijen war für DRS 3 vor Ort.

Der Badcast von Anna van der Lei ist Schrank und Badewanne zugleich.

Im Zeitalter der Nachhaltigkeit ist Dauerhaftigkeit und Natürlichkeit des Materials wieder ein wichtigeres Thema - wie in der Mode gibt es neokonservative Tendenzen, also zurück zu Klassikern oder Formen, die Klassiker zitieren - bewährte Materialien: Holz, Wolle, Filz und Stein.

Es gibt aber auch die Gegentendenz: starker Einfluss neuer Technologien aus dem Automobilbau oder der Materialforschung - Leichtbau und CAD, auch computergenerierte Formen und Strukturen aus dem 3D-Printer, also Möbel, die ein Mensch so gar nicht bauen könnte.

Der 3D-Printer
Ein Gerät, das die Designer sehr fasziniert und eigentlich aus dem Prototypenbau kommt. Da werden im Schichten von Zehntelmillimetern Kunststoffe dreidimensional übereinander «geprintet», bis ein dreidimensionales Objekt entsteht.

Die Grössen sind noch beschränkt, die Verfahren noch sehr teuer. Rapid Prototyping, auch Stereo-Lithografie genannt, könnte aber eines Tages das Möbelhandwerk fundamental verändern.

Es sind erste Serienprodukte aus Rapid-Prototyping erhältlich, vor allem Tischdeko-Objekte oder Lampen, etwa von Freedom of Creation - sehr faszinierende Objekte mit oft mathematischem Hintergrund. Bis man aber die Wohnwand im Internet bestellen und zuhause ausdrucken kann, ist noch ein weiter Weg.

Die neue «Gemütlichkeit»
Auffallend das Revival von Holzhandwerk - Tische und Bänke. Elementare Formen und archaische Oberflächen. Unbehandelt und unperfekt - Momente der Zufälligkeit und Spuren des Lebens, Patina und gewollter Rost.

Möbel dürfen leben und Spuren der Benutzung haben. Plastikwelle ist etwas vorbei, auch das ironische 70's-Styling hat sich abgenutzt. Dafür sind Teppiche und Tapeten durchaus wieder ein Thema.

Designklassiker nach wie vor im Trend
Natürlich sind Tische und Stühle von Jean Prouvé, ein Lehnsessel von Charles & Ray Eames, ein Embru-Stahlrohrmöbel, ein Lehni-Büchergestell oder eine klassische Gartenbank von Alinea auch heute nicht falsch. Diese Evergreens aus den 20er bis 60er Jahren sind gute und dauerhafte Investitionen.

Allerdings haben die Leute heute auch andere Bedürfnisse - im Fall des bekannten Eames-Lounge Chairs ist es sogar so, dass dieses Möbel für heutige Menschen zu klein ist. Der Hersteller Vitra denkt darum sogar über eine Version nach, die heutigen Körpermassen entspricht.

Der Garten ist das neue Wohnzimmer
Der Garten wird durch bis zum Boden reichende Fenster ins Haus hineingezogen, bzw. die Möblierung des Innenraums verschmilzt mit der Terrasse.

Etwas ausgelutscht sind diese vor wenigen Jahren noch extrem populären, riesigen Lounge-Möbel mit dem dunkeln Kunststoffgeflecht - die bekommt man heute sogar schon in der Migros. Diese Möbel sind oft schwer und sperrig, deswegen interessieren sich Trendsetter wieder für verzinkte Stahlrohrklassiker oder wetterfeste Holzmöbel.

Auch der gute alte Gartentisch mit Metalltischplatte, wie er früher in der Beiz stand, ist sehr hip. Nur eines geht immer noch nicht: diese hässlichen, weissen und stapelbaren Plastik-Druckguss-Stühle, die man auf jedem jämmerlichen Balkon sieht. (jvr)

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Jeroen van Rooijen stellt die aktuellen Möbeltrends vor
Hören (6:38)

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