Stil-Tipp: Die Mode der Menschen vom Lande
Merkwürdig: Das selbe Karohemd, das wir an Männern vom Land belächeln, gilt neuerdings - wenn von urbanen Hipstern getragen - als topmodisch...
Schlecht kommen dort auch edle Einstecktücher, farbige Baumwollhosen, Slippers ohne Socken oder Poloshirts mit hochgeklapptem Kragen und Oversize-Logo auf der Brust an. Am Schwingerfest sind Männer noch richtige Kerle, die sich nichts aus Modetrends und Must Have machen - und die sich nichts Schlimmeres vorstellen können, als am Wochenende shoppen gehen zu müssen.
Doch warum sehen die Menschen auf dem Lande auch heute noch so anders aus als die Städter? Das Internet hat doch die ganze Welt zum Dorf gemacht - man kann auch im 100-Seelen-Dorf die neuesten Looks aus Paris einkaufen, und die grossen internationalen Modeketten sind bis in die Bergtäler vorgedrungen. Es gibt also keine technischen Gründe mehr, warum sich das Landvolk den aktuellen Modetrends verweigert.
Typisch Land oder typisch Vorurteil?
DRS 3-Stilfachmann Jeroen van Rooijen behauptet: Typisch für die Leute vom Land seien folgende Merkmale: Männer tragen karierte Hemdjacken mit Steppfutter, weit geschnittene oder Kurzarmhemden, plumpe Schuhe mit Gummisohlen, Dächlikappen, im Nacken langes Haar und Schnauzer, Sandalen mit Socken, Hosen mit abtrennbaren Beinen oder Dreiviertelhosen. Frauen machen sich in sportiven Faserpelzjacken, Stretchhosen, Schuhen mit Blockabsätzen und über Hosen getragenen Kleidern zu Landeiern. Typisch sind auch Dauerwelle, Mèches oder praktische Kurzhaarfrisuren und «witzige» Brillengestelle.
Jeroen van Roijen glaubt, dass der Hauptgrund für einen ländlichen Lifestyle in den engeren sozialeren Spielräumen liegt, die es in der Region noch heute gibt. Man traut sich weniger, aufzufallen, weil man rasch zum Gesprächsthema wird.
So sind in vielen Dörfern hohe Absätze ein absoluter Aufreger. Aus dem Rahmen fällt man als Städter, der sich aufs Land verirrt, auch mit auffälligen Luxushandtaschen oder grossen Glamour-Sonnenbrillen. (jvr/ewa)
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