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09.09.2010

Stil-Tipp: Modetrend Uniform

Der Zivildienst ist gefragt wie nie, die Schweiz vertagt den Einkauf neuer Kampfflugzeuge und die USA ziehen ihre Kampftruppen aus Afghanistan ab. Doch auf dem Laufsteg punkten die Soldaten besser denn je: Der Herbst bringt eine neue Welle von Uniform-Chic mit Kampfhosen, Feldhemden und Regimentsjacken.

Laufsteg-Trends für den Herbst 2010, von links nach rechts: Burberry Prorsum, Wayne, Marc by Marc Jacobs, Rag & Bone, Burberry Prorsum, Marc by Marc Jacobs. (refinery29.com)

In dieser Saison wird der Uniform-Trend - Achtung, Modewort! - glamourisiert, also mit deutlich eleganteren Elementen «gebrochen» und ironisiert. Man trägt den Look nie in Reinkultur, sondern kombiniert die Kampfhose zum goldschimmernden sexy T-Shirt oder zu einem kurzen, taillierten Blazer.

Ausserdem ist die Kampfhose diesen Herbst nicht mehr so weit wie früher, sondern sitzt sehr eng am Bein, fast wie eine Bikerhose, und die aufgesetzten Taschen sind kleiner. Militaria, kombiniert mit etwas Streetwear oder auch einer Smokingjacke, das ist der neue Look.

Balmain und Van Noten machens vor
Man muss sich nur die im Moment sehr gefragte Kollektion der französischen Marke Balmain anschauen. Da gibt es alle Formen - von schmal geschnittenen Kampfhosen, olivfarbenen T-Shirts mit abgetrenntem Kragen und Schusslöchern, über kurze, taillierte Feldhemden, die an Fremdenlegionäre erinnern, bis zu Regimentsjacken mit dekorativen Knöpfen und Schulterklappen, wie sie einst berittene Offiziere trugen.

Der Belgier Dries van Noten zeigt Vierfrucht-Muster als romantisches Tageskleid, doch wenn man genau hinschaut, besteht das Tarnmuster nicht aus den sonst üblichen organischen Formen, sondern aus einem bräunlich-grünen Blumendruck, der sehr feminin wirkt.

Armee-Look steht modisch für Authentizität
Die Modebranche ist im Moment stark auf der Suche nach Echtheit und Authentizität - nicht erst seit gestern, sondern schon eine ganze Weile. Sie versucht Dinge zu verkaufen, die ungekünstelt wirken, die dauerhaft und funktional sind und trotzdem chic. Zumindest die ersten drei Punkte - Echtheit, Belastbarkeit und Funktionalität - erfüllen die Dinge aus dem Arsenal der Armeen dieser Welt, also liegt es nahe, dass man sich dem Thema annähert.

Dazu kommt der zunehmende Einfluss der Strasse auf die Laufstege: Die Designer versuchen immer mehr, das Bild umzusetzen, das sie auf der Strasse sehen, um näher beim Kunden zu sein.

Bitte nicht übertreiben
Man sollte den Uniform-Chic allerdings nicht zu ernst nehmen und einen auf Rambo machen. Die Waffe bleibt im Zeughaus, auch der quer über die Brust getragene Patronengürtel ist nicht nötig. Vierfruchtmuster und ganze Kampfoveralls sind zu viel, und auch der lange graue Offiziersmantel aus den Beständen der Armee ist nicht richtig. Es sind eher historische Stücke aus dem letzten oder vorletzten Jahrhundert, die jetzt wieder interpretiert werden. Und eben, ganz wichtig: stilistische Brüche einbauen, damits erträglich wird. (jvr)

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