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21.10.2010

Stil-Tipp: Wolllust pur - das kleine Woll-Lexikon

Der Herbst neigt sich bereits dem Ende zu und der Winter steht unmittelbar vor der Tür. Höchste Zeit also, die Wollsachen wieder hervor zu nehmen und in einen guten Pullover zu investieren. Doch was ist gute Wolle, und wie erkennt man sie?

Soll die Freude am guten Stück aus Wolle länger anhalten, empfiehlt es sich, pfleglich damit umzugehen.

Wolle ist nicht einfach das ganze rasierte Fell eines Säugetieres, sondern nur der weiche Teil der Behaarung, abzüglich der Deckhaare. Wichtig ist auch, dass Qualitätswolle oder Schurwolle immer von lebenden Tieren und nicht von Schlachtvieh kommt.

Wolle besteht aus 85 % Luft, die tierische Faser absorbiert ausserdem recht problemlos Feuchtigkeit. Die meiste Wolle kommt von Schafen, sie liefern mit Abstand den grössten Teil an Fasern. Daneben gibt es eine Reihe anderer Woll-Tiere, etwa Kaschmirziegen, Angora-Chüngeli, Mohair-Geissen, Kamele, Lamas, Alpakas oder Vikunjas.

Cashmere hat seinen Preis
Am teuersten ist Cashmere-Wolle. Weil dies eine sehr kostbare Faser von sehr hoher Feinheit ist, von Tieren, die man schwierig züchten kann und deren Pflege extrem zeitaufwändig ist. Die Arbeit mit der Geiss ist kein Zuckerschlecken: Man muss die Cashmerefaser aus der Unterwolle der Ziege auskämmen, und ein Tier gibt nicht mehr als 150 Gramm Wolle her. Auf der ganzen Welt werden jährlich vielleicht 10' bis 15'000 Tonnen Kaschmirfasern gewonnen, wogegen es von «gewöhnlicher» Wolle weit über 2 Mio. Tonnen pro Jahr gibt, also mehr als das Hundertfache der Cashmere-Produktion.

Wolle kauft man mit den Händen, nicht den Augen
Gute Wollpullover kauft man, indem man mit «verbundenen Augen» einkaufen geht. Erst wenn etwas den Händen schmeichelt, soll man auf Preis und Design schauen. Gute Wolle fühlt man einfach!

Wer clever ist, bevorzugt Spezialgeschäfte, denn sie können sich weniger Schindluder leisten. Dort findet man auch Nischenanbieter mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis. Empfehlenswert ist sich auch, auf Qualitätssiegel zu achten, wie etwa das Schurwolle-Zeichen des Internationalen Wollsekretariats IWS.

Synthetik-Mischungen sind nur dann sinnvoll, wenn Wolle auch in der Maschine gewaschen werden soll. Der Nachteil ist allerdings, dass die beigemischte Kunstfaser schneller schlecht riecht. Wolle kann man dagegen einfach lüften, sie nimmt auch Schmutz nicht so leicht an.

Die richtige Pflege
Reine Wollpullover wäscht man am besten schonend bei milder Temperatur und von Hand. Wem das zu mühsam ist, der wählt den Wollwaschgang bei niedriger Temperatur, verringert noch einmal die Schleuderzahl der Maschine und packt seine Wollsachen in ein Netz, bevor er sie in die Maschine steckt und mit serh wenig (flüssigem) Spezialwaschmittel wäscht.

Nach der Wäsche werden Wollsachen nicht aufgehängt, sondern sanft in Form gezogen und auf einem Tuch zum Trocknen ausgelegt. Und: Wolle nicht an der prallen Sonne trocknen lassen!

Knötchen haben nicht unbedingt mit minderer Qualität zu tun
Das so genannte «Pilling» bei Cashmere-Pullovern ist übrigens die Folge von mechanischem Abrieb auf der Oberfläche. Je kürzer die Haare der Wolle, oder je lockerer die Faser versponnen wurde, desto leichter lösen sich einzelne davon aus dem Garn und verknoten sich. Das gibt die unerwünschten Knötchen. Das muss aber nicht zwingend ein Hinweis auf mangelnde Qualität der Strickwaren sein. (jvr)

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Jeroen van Rooijen über Wolle
Hören (7:54)

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