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Donnerstag, 6.1.2011

Stil-Tipp: Mode der Zukunft - die Looks von 2020

Futuristen-Woche auf DRS 3 - wir fragen uns, wie die Welt am Ende dieses neuen Jahrzehnts aussehen wird, das jetzt eben angefangen hat. Daher auch die Frage an unseren Stilfachmann: Wie sieht die Mode in zehn Jahren aus?

Sie macht Mode der Zukunft: Applaus für Designerin Stella McCartney. (key)

Zehn Jahre sind für eine Mode-Prognose keine besonders lange Zeit. Es gab in der Geschichte schon wichtige Leute, die viel weiter vorausschauen konnten. Etwa der Erfinder Thomas Edison, dem wir viele Grundlagen der Elektrifizierung und Telekommunikation verdanken - er sagte 1910, also vor über hundert Jahren: «Die Kleider der Zukunft werden so günstig sein, dass jede junge Frau die Möglichkeit haben wird, sofort und uneingeschränkt der Mode zu folgen. Und es wird einen Haufen paralleler Modeströmungen geben. Es wird Kunstseide geben, die leuchtender und belastbarer ist als natürlich Seide.» Beide Thesen waren Volltreffer.

Ausgepolsterte Tuniken
Falsch liegen tun dagegen die meisten Science-Fiction-Autoren – ihre Modephantasien schiessen meistens weit übers Ziel hinaus, etwa H.G. Wells, der 1933 in seinem Zukunftsroman «The Shape of things to come» einen Ausblick auf die Kleidung von 2033 wagte: «Wir werden unter Togas aus technischen Materialien Tuniken mit starken Polsterungen tragen.» Man will sich das lieber nicht so genau vorstellen, wie sich solche Art von Kleidung anfühlen täte. Natürlich wäre sie unisex, denn davon sind alle Futuristen immer ausgegangen.

Röcke sind wie Krawatten
Letzteres hingegen könnte nun eintreffen: Nachdem die Frauen während der letzten 50 Jahre maskuline Klassiker wie Jeans, Anzug, Smoking, Hemd oder Trenchcoats übernommen haben, schwingt das Pendel in den kommenden 50 Jahren vielleicht auf die andere Seite zurück. Wir werden im Jahr 2020 zwar keine Männer in Röcken sehen, denn Röcke sieht man heute auch an Frauen nicht mehr oft. Sie sind, wie Krawatten, eine verschwindende Gattung.

Die Hose wird das übliche Beinkleid bleiben. Allerdings wird die Männermode androgyner. Wer sich die neuen Avantgarde-Labels wie Rick Owens oder japanische Trendsetter wie Julius anschaut, der sieht, dass der Mann der Zukunft ganz lässig feinsten Jersey und Strick trägt, vielleicht sogar Leggings.

Fünf Erneuerungen
Sicher ist: Es wird keine dauerhafte neokonservative Wende geben, sondern nur den Weg nach vorne, in die Erneuerung. Wir werden fünf ganz entscheidende Faktoren haben, die jetzt schon wichtig sind und in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen und die Mode verändern:

1. Individualität
Die Mode kommt immer mehr von der Strasse und nicht mehr vom Laufsteg, und die Trends werden noch vielseitiger. Self Design und expressive Individualität sind wichtige Merkmale unserer Zeit, und sie werden durch digitale Medien und die damit verbundenen Möglichkeiten der Selbstdarstellung noch einmal wichtiger werden. Jeder kann in Zukunft sein eigener Modeschöpfer sein und Trends lancieren.

2. Billigketten
Die Modetrends werden immer mehr von den schnell operierenden Billigketten und nicht mehr von den grossen Couturiers lanciert, welche nicht mehr die finanzielle Kraft und kommunikative Macht haben, mit diesen internationalen Giganten mitzuhalten.

3. Dumpingpreise
Die Kleidung wird noch einmal billiger werden, das ist eine logische Konsequenz aus der Entwicklung der letzten dreissig Jahre. Auch wenn die Arbeiter in Bangladesch bereits jetzt protestieren, wird die Branche Produktionsmethoden und Hersteller finden, die für noch weniger Geld noch aktuellere Mode nähen.

4. Sportswear
Sportswear wird 2020 der alltägliche Standard sein. Die Materialien und Verarbeitungstechniken der Sportswear sind absolut modern und auf unser heutiges Leben ausgerichtet, jetzt muss das Ganze nur noch eine alltägliche Eleganz bekommen. Labels wie Stella McCartney oder Stone Island bekommen das jetzt schon ganz gut hin.

5. Kuschelkleidung
Die Kleidung der Zukunft wird noch einmal bequemer und weicher. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, wie massiv sich die Garn- und Stoffhersteller mit Fragen von Tragekomfort und Pflegeleichtigkeit auseinandergesetzt haben, auch im Bereich der Naturfasern. 2020 werden wir Stoffe haben, die so easy zu waschen und bügeln sind wie Synthetik, aber so bequem, weich und atmungsaktiv wie die besten Cashmere-Fasern
(jvr.)

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Jeroen van Rooijen über die Mode der Zukunft
Hören (7:16)

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