Total knurd – das Lifestyle-Phänomen «Nerd»
Mit gerade mal 24 wurde Nerd Mark Zuckerberg der reichste Selfmade-Milliardär der Geschichte. (key)
Die Herkunft des Begriffs reicht in die Steinzeit des Computerzeitalters zurück, als es auf technischen Universitäten der USA irgendwann zwei Sorten von Studenten gab: Jene, die klassische Fächer belegten und sich daneben aktiv um die Aufrechterhaltung der traditionellen studentischen Lebensweise kümmerten, sprich: sich laufend heftig betranken.
Nerd, der seltsame Computermensch
Und dann gab es die, die waren nie besoffen, weil sie immerfort irgendetwas tüftelten und vor ihren selbst gebauten Rechnern hockten, und die wurden dann irgendwann nach dem Gegenteil von «drunk» benannt, also «knurd», und dieses Wort verschliff sich dann im Laufe der Jahre zu N-E-R-D, der seither als Prototyp für den zwar schlauen, aber irgendwie auch sehr introvertierten und ein bisschen eigenartigen Computer-Menschen steht.
Nerd, der blasse Partyschreck
Frauen kennt der Nerd, anders als die durchtrainierten, braungebrannten Typen von der Sportabteilung, nur vom Bildschirm, und sein Teint ist so blass wie die Aussenhülle eines alten IBM-Rechners oder so weiss wie ein iMac, aber niemals so knackig wie ein Apple.
Er wird zwar geschätzt, wenn irgendwo ein Computer nicht läuft, aber zu einer Party würde man ihn nicht einladen. Denn er kann zwar HTML programmieren, aber nicht tanzen und flirten, und eben auch nicht trinken.
Der Nerd ist so sehr mit Technologie und dem Nachdenken vor dem Bildschirm beschäftigt, dass er die Tageszeiten vergisst, sich bevorzugt von Pizza aus der Schachtel ernährt, selten duscht und sich auch sonst überhaupt nicht um sein Äusserliches kümmert.
Nerd, der Typ mit dem Augenschaden
Er ist weder fit noch schlank noch gut gekleidet, und er schneidet seine Haare auch nur widerwillig, sondern stellt den totalen Antitypen dar. Die Uniform des Nerds sind unmodische Turnschuhe, eine Jeans, ein T-Shirt und allenfalls, falls er doch mal nach draussen muss – etwa um eine neue Festplatte zu kaufen – ein Kapuzen-T-Shirt. Natürlich hat der Nerd durch das viele Vor-dem-Computer-Sitzen früh einen Augenschaden erlitten, also trägt er eine fette Brille mit dicken Gläsern.
Nerd, der Modestyle
Und jetzt ist der Nerd-Style in Mode. Natürlich hat dies mit den Stars unter den Nerds zu tun, die von Aussenseitern zu Milliardären wurden, weil sie früh und lange vor dem Computer sassen: Bill Gates und Steve Jobs sind die beiden berühmtesten dieser Art, oder auch Mark Zuckerberg von Facebook. Natürlich will im digitalen Zeitalter jeder gerne ein bisschen so sein wie sie.
Es gibt auch weibliche Nerds: Sie ziehen sich absichtlich ein bisschen tantig an, wie eine Klavierlehrerin in den siebziger Jahren. Ihre Marken heissen Prada, Marni, Paul Smith oder Marc Jacobs. Und sie tragen ebenso gerne eine dicke, fette Brille. (jvr)
Mehr zum Stichwort:
