Stil-Tipp: Baselword – Uhrentrends 2011
Letztes Jahr kamen an die Baselword über 100‘000 Besucher. (key)
Omega Speedmaster
Tissot Couturier
Rado Original
Tudor Heritage Chrono
TAG Heuer Monaco
MIH Watch by LudwigOechslin
Zenith Elite Automatic
Seiko Spring Drive
Nomos Zürich
Junghans Max Bill Chronoscope
Jeroen van Rooijen, was hat sich die Branche für 2011 einfallen lassen?
Die Baselworld 2011 wird die zeitgeistige Tendenz der eleganteren, einfacheren Uhren fortschreiben: Das Zeitalter von Bling-bling ist vorbei, es kommt auch mit China nicht wieder. Weil die Konsumenten dort eher auf wertvolle Klassik stehen als schnellen Prunk.
Wir werden wieder eine Menge Modelle sehen, die irgendwo an grosse Klassiker der Marken anknüpfen und einen sanften Retro-Touch haben. So wie die Uhr, die man vom Vater geerbt hat. Sportivität bleibt auch wichtig, doch wird sie nicht mehr ganz so martialisch und gross inszeniert.
Ist zum Thema Uhren denn nicht alles schon probiert und gemacht worden, mudd man die Uhr noch neu erfinden?
Aussen herum scheinen die Möglichkeiten limitiert, doch ist man jedes Jahr wieder perplex, was die Uhrmacher sich wieder haben einfallen lassen. Bei den meisten Marken geht heute aber Funktion über den Effekt, man sucht nach cleveren Funktionen, die sehr einfach aussehen.Die neue Uhrenmarke Ochs & Junior des genialen Tüftlers Ludwig Oechslin gibt da einen interessanten Trend vor.
Zudem wird an neuen Werkstoffen geforscht: Alle grossen Marken arbeiten mit neuen Silizium-Bauteilen. Ziel bleibt weiterhin die wartungsfreie, von selbst funktionierende mechanische Uhr.
Bleibt die Mechanik für die Schweizer Uhrenindustrie das zentrale Thema?
Für 99 Prozent der Anbieter im Luxussegment ist alles andere als Mechanik tabu. Man wagt sich auch dreissig Jahre nach der grossen Digitalkrise nicht an das Thema ran. Das ist natürlich fast ein bisschen orthodox, allerdings wollen die Konsumenten das offenbar so, sonst würden es die Marken ja nicht machen.
Allerdings interessiert sich eine ästhetische Avantgarde wieder für die neue Technologie und Digital, oder wenigstens für hybride Formen: So hat der Zürcher Jean-Pierre Nobs für den Neustart seiner Marke Ventura in Basel eine interessante neue Uhr gebaut, die analoge Antriebstechnik mit digitaler Präzision verbindet. Sie ist nicht klein, aber sehr innovativ.
So eine Uhr ist ja oft nicht nur ein Stil-Statement, sondern auch ein Statussymbol mit einem erheblichen Wert. Täuscht der Eindruck, oder sind die Preise in den letzten Jahren deutlich gestiegen?
In den letzten Jahren haben viele Marken die Preise recht schamlos angehoben. Doch hat sich das spätestens mit der grossen Finanzkrise von Ende 2008 gerächt, und es ist wieder mehr Realismus eingekehrt.
Fantasten wie Thierry Nataf, der aus der schönen, klassischen Marke Zenith eine funkelnde Welt des Extremluxus machen wollte, sind vom Zeitgeist fortgespült worden. Und die Marke macht heute wieder schöne, tragbare Uhren, die man auch bezahlen kann.
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