Stil-Tipp: Der kleine Herrenhemden-Knigge
Der Herren-Hemden sind da viele, doch diese sehen nur auf den ersten Blick gleich aus. (Keystone.)
Der Rumpf des Hemdes ist tailliert, aber ohne besondere Taillierungsnähte im Rücken oder Vorderteil. Also moderat dem männlichen Ideal eines V-förmigen Oberkörpers nachempfunden.
Die Ärmel des Businesshemdes, welches zu einem Jackett oder Anzug kombiniert wird, müssen immer lang sein und eine Manschette haben. Anosnsten sieht man aus wie ein Kastrat. Es ist allerdings nichts gegen ein knackiges, modisches Kurzarmhemd einzuwenden, das selbstbewusst zu Jeans oder schmalen Bermudas und mit offenem Kragen getragen wird.
Der Kragen ist in der Regel ein spitzschenkliger Kentkragen, der recht universell einsetzbar ist und auch korpulenteren Männern gut steht. Der modischere, etwas von der Halsmitte weg verlaufende Haifischkragen ist stylish, aber nur für schlank gebaute Herren vorteilhaft.
Button-down gehört sich nicht zur Krawatte, auch wenn man diese Kombination tatsächlich sehr oft sieht, sogar bei Bundesräten. Was aber nicht heisst, dass es chic wäre. Ausser man trägt ein fettes Oxford-Hemd von Brooks Brothers aus New York, eine verkehrt herum gestreifte Krawatte und einen fleischigen Zweireiher.
«Bügelfrei ist ein Schwindel. Bügeln muss man immer.»
Die Qualität eines Hemdes erkennt man am Material: es muss erstklassige Baumwolle sein. Alternativ dazu gehen auch Leinenmischungen, nur Synthetik sollte nie drin sein, denn dann schwitzt man. Ein gutes Hemd sollte so sauber verarbeitet sein, dass man es komplett von innen nach aussen drehen kann, ohne dass irgendwo ein Faden runterhängt. Die Stichzahl der Nähte sollte 8 bis 10 pro Zentimeter betragen, wo längere Stiche verwendet werden, wird pressiert und gespart.
Bügelfrei ausgerüstete Hemden sind schlimmer Etikettenschwindel, denn im besten Fall heisst dies nur, dass man leichter bügelt und so die Hälfte der Zeit spart. Doch bügeln muss man immer und ausnahmslos. Bügelfrei-Ausrüstungen verschlechtern übrigens die Atmungsaktivität der Baumwolle erheblich.
Die Farben sollten hell und frisch sein. Ein Hemd sollte wenn möglich immer das hellste Element im Outfit bilden. Die Faustregel lautet: „je heller, desto erfahrener." Tatsächlich ist das weisse Hemd traditionellerweise das des Chefs, wogegen das blaue Hemd das des einfachen Angestellten ist. Deswegen wird man bis heute nur selten einen CEO in einem blauen oder dunklen Hemd seine Erfolge verkünden sehen. Pastelltöne sind schwierig und sehr vom Hauttyp abhängig. Männer mit dunklem Teint und mediterranem Flair können solche Dinge probieren, aber aschfahle Mitteleuropäer lassen lieber die Finger davon. Und dunkelgraue oder schwarze Hemden sind immer bünzlig: Man erkennt, etwa wenn man auf Reisen ist, die Schweizer KMU-Provinztypen immer schon von ganz weitem, weil sie zu ihren Anzügen dunkle Hemden tragen.
Jeroen van Rooijen
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