Stil-Tipp: Anzüge nach Mass
Ein guter Herrenschneider misst nicht nur genau, sondern berät die Kunden auch in Sachen Stoffwahl und passendem Schnitt. Und: er nimmt sich Zeit für wirklich passgenaue Arbeit.
Solche «fliegenden Schneider» sind heute weit häufiger anzutreffen als die langsam selten gewordenen Schneidermeister. Letztere sind meistens ältere Herren, die an der Tradition festhalten und Ateliers betreiben, in denen sie ihren Kunden Stoffe über die Schulter drapieren, sie millimetergenau ausmessen und diese Herren dann drei bis viermal antanzen lassen, um wirklich einen Feinmassanzug alter Schule zu machen.
Der Masskonfektionär dagegen hat die Handarbeit an grössere Betriebe ausgelagert, die oft in Europa, manchmal aber auch in Übersee nähen. Ein Halbmass- oder Masskonfektionsanzug ist also fertig genäht und kaum noch zu ändern, wenn er geliefert wird, wogegen der Feinmassschneider auch zwischendurch Anproben macht, zu denen man ins Atelier bestellt wird.
Vom Messband zum Bodyscanner
Vermessen wird heute in beiden Fällen meistens noch von Hand: Man muss vor dem Spiegel gerade stehen, den Bauch nicht zu stark einziehen und zuschauen, wie ein fremder Mensch mit dem Massband um einen herumfuchtelt und Notizen macht. Allerdings findet man heute auch bereits an vielen Orten Bodyscanner, die den Kunden digital ausmessen - das fühlt sich dann ein bisschen wie beim Sicherheitscheck auf dem Flughafen an.
Viele Kunden, die zum ersten Mal einen Massanzug bestellen, sind erst einmal überfordert, was die Bandbreite der Optionen punkto Stoff und Ausstattung betrifft. Ein guter Service hilft unerfahrenen Kunden, sich hier leichter zu Recht zu finden.
Sicher ist man gut beraten, bei den Klassikern zu bleiben, statt sich etwas besonders Ausgefallenes oder Exotisches nähen zu lassen. Ein schlank geschnittener Einreiher, auf zwei Knöpfe geschlossen, mit Klappentaschen, einfachem Rückenschlitz und einer Hose ohne Bundfalten sieht auch in ein paar Jahren noch gut aus.
Massanzüge sind nicht billig, bieten aber höchsten Tragkomfort
Wer eine unproblematische Figur hat und auch mit einer Standardgrösse zu Recht kommt, kann mit Konfektionsware glücklich werden. Doch wer eine schwierige Figur hat - also besonders gross oder klein, krumm oder etwas besser genährt ist, der dürfte im Massanzug entspannter durchs Leben gehen.
Natürlich ist der Massanzug auch etwas für Kenner und Geniesser - manche Männer leisten sich das, wie andere sich guten Wein oder teure Autos kaufen. Ein richtiger Feinmassanzug kostet mindestens 2000 Franken, wogegen Masskonfektion je nach Qualität zwischen 600 und 1800 Franken zu haben ist. (jvr.)
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