Die Schweizer Musikszene darf sich ohne Scham und ohne Übertreibung rühmen, dass sie immer wieder für Pionierleistungen sorgte. Und ihr findet die von den Young Gods am beeindruckendsten.
Das Ergebnis war knapp in dieser Woche der DRS 3 Pop-Geschichten: Mit hauchdünnem Vorsprung gewinnen die Young Gods vor Celtic Frost.
Yello, das sind Boris Blank und Dieter Meier. Sie haben geschafft, wovon viele Schweizer Künstler träumen: Den internationalen Durchbruch. Am Anfang stand der Song «Bostich», mit dem für diese Zeit neuartigen Sprechgesang. Der Song schaffte es auf die Plattenteller in New York und Lateinamerika. Die Kritik am Leben als «Fliessbandarbeiter» traf damals den Nerv der Zeit. Dieter Meier erinnert sich.
Die Schweiz hat nur wenige Künstler und Künstlerinnen zu bieten, die im Ausland grosse Erfolge vermelden können. Noch düsterer sieht es nach einem Blick in die Musikgeschichtsbücher aus: Die Schweiz ist darin quasi inexistent. Eine der wenigen Ausnahmen sind die Genfer Young Gods. Ob U2, David Bowie, Faith No More oder Nine Inch Nails: alle haben sie sich schon auf die Young Gods berufen. Ihre erst zweite Single «Did you miss me» - ein Cover des Gary Glitter Klassikers «Hello, hello, I’m back again» - wurde in England und in der Schweiz zum Hit. Franz Treichler, Sänger und Mastermind der Young Gods, erinnert sich.
Als Grauzone anfangs der 80er Jahre ins Tonstudio gingen, war ihnen nicht genau klar, wie ihre Aufnahmen tönen sollten. Also wurde viel experimentiert, Verschiedenes ausprobiert und nach neuen Klängen gesucht. Ohne es zu wissen, leistete die Band damals Pionierarbeit. Unter anderem entstand damals der Song «Film 2», welcher 1981 erschienen ist. Wobei: Song ist an dieser Stelle nicht ganz korrekt - richtig wäre Track. «Film 2» hat keine klassische Strophe und auch keinen Refrain – der Song baut sich Takt für Takt auf und ist eine Collage von verschiedenen Klängen. Stephan Eicher und Marco Repetto erinnern sich.
Eine Schweizer Band war wegweisend für die weltweite Death Metal-Bewegung: Celtic Frost. Prominentester Fan von Celtic Frost ist Dave Grohl von den Foo Fighters. Schon in den frühen 80er Jahren kokettiert das Zürcher Trio mit okkultistischen/satanistischen Anspielungen und die geschminkten Gesichter der drei Akteure sind auch Vorlagen der sogenannten Corpse Paints der heutigen Black Metal-Szene. Tom Gabriel Fischer, ehemaliger Frontmann und Gitarrist von Celtic Frost erinnert sich für DRS 3 an schöne und gleichzeitig immer auch schwierige Momente in seinem Musikerleben.
Am Anfang dieser Geschichte steht der Name Otto von Greyerz. Der Mundart-Schriftsteller und Hochschullehrer, der 1940 verstarb, sammelte alte Schweizer Volkslieder und gab diese 1906 in sechs Bändern unter dem Titel «Röseligarte» heraus. Aus dieser Sammlung stammt das Lied «Anneli», die Vorlage für Christine Lauterburgs aufgepeppte Ethno-Pop-Variante. Lauterburg brachte damit frischen Wind in die Schweizer Volksmusik, obwohl sich nicht alle mit ihrem «Techno-Jodel anfreunden konnten.»
Jede Woche werden fünf Songs zu einem Thema vorgestellt. Während der Woche wählt Ihr hier die beste Pop-Geschichte. Der Gewinner-Song der jeweiligen Woche wird am Freitag gekürt und qualifiziert sich für die Finalphase, die im Herbst 2010 ausgetragen wird. Gebt hier Eurem Favoriten die Stimme!