So zerfiel das Imperium von Spekulant Martin Ebner
Weggefährten von Martin Ebner (Bild) sind Alt-Bundesrat Christoph Blocher, Professor Kurt Schildknecht, sowie der Autoimporteuer Walter Frey.
Die Ära des Financiers Martin Ebner begann so richtig während des Börsenbooms in den 90er Jahren.
Ebners Visionen brachten das schnelle Geld
Er war der Erfinder des sogenannten «Aktiensparens». Mit der Broschüre «Aktiensparen macht unabhängiger» und mit seiner Roadshow ging er von Dorf zu Dorf und überzeugte Kleinsparer davon, dass sie zu wenig verdienen, wenn sie das Geld auf dem Sparbüchlein liegen haben oder in Obligationen investieren. Viel mehr bringe der Kauf von Aktien.
Dabei bot er auch die Aktien von seinen Beteiligungsgesellschaften - von den Visionen - an. Darin waren mehrheitlich Aktien von SMI-Titeln wie Roche, ABB oder Rentenanstalt. Diese «Visionen» brachten während der Boomzeiten gute Renditen.
Fatale Hebelwirkung der geplatzten Internetblase
Nach dem Platzen der Internetblase 2000/2001 und den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA erlebten die internationalen Börsen jedoch monatelange andauernd starke Kursrückgänge. Dies brachte auch die Visionen in Schieflage und das verunsicherte die Anleger zusätzlich.
Martin Ebners Imperium war doppelt getroffen. Zum einen waren die Visionen auf wenige Titel konzentriert und das Risiko somit zu wenig stark gestreut. Zum anderen waren viele seiner Aktienkäufe mit Krediten finanziert und so entstand eine fatale «Hebelwirkung».
Viele Kleinaktionäre verloren viel Geld
Im Sommer 2002 verkaufte Ebner seine vier Beteiligungsgesellschaften - die «Visionen» - an die Zürcher Kantonalbank. Viele Kleinaktionäre waren zu einem ungünstigen Zeitpunkt - nämlich zu spät, bei zu hohen Kursen - ins Aktiengeschäft eingestiegen und verloren viel Geld.
Bekannt wurde Martin Ebner in den 90er Jahren auch als Verfechter des «Shareholder Values». Er habe diesen Gedanken von den USA in die Schweiz gebracht und somit die Entwicklung der Finanzwelt wesentlich geprägt, heisst es von vielen Seiten.
Ein Unternehmen sollte vornehmlich im Interesse der Aktionäre handeln, war Martin Ebner überzeugt. Er forderte effiziente Abläufe im Verwaltungsrat und fokussierte auf eine gute Eigenkapitalrentabilität.
Firmen im Visier des Spekulanten
Gerne kaufte der Händler Aktien von unterbewerteten Unternehmen. Wenn er genug Anteile hatte, forderte er einen Sitz im Verwaltungsrat, um das Unternehmen entsprechend - eben im Interesse des Aktionärs - zu steuern. Zum Beispiel forderte er, dass Aktienkapital zurück bezahlt wird oder er sorgte für einen Verkauf oder eine Fusion.
Wenn der Kurs der Aktie stieg, verkaufte er diese. So geschehen bei Lonza-Alusuisse (später Lonza und Alusuisse). Aber auch Rieter, SGB und ABB waren im Visier des Spekulanten.
Das neue Leben des Martin Ebner
In den letzten Jahren und Monaten hörte man Martin Ebners Namen wieder vermehrt, allerdings nicht mehr im Zusammenhang mit den ganz grossen Schweizer Unternehmen. Er investierte zum Beispiel in die Fluggesellschaft Helvetic oder in den Handyhändler Mobilezone. Dort forderte er als Mehrheitsaktionär die Abwahl des Gründers Ruedi Bär.
