DRS 3 Sommertausch, Tag 1: Andreas, Echsen und eine unfassbar kalte Dusche
Der Fotograf möchte sich noch entschuldigen. Für dieses Foto hat Andreas nämlich extra noch einmal unter das eiskalte Wasser stehen müssen.
Gut möglich, dass genau hier die Gastfreundschaft erfunden wurde: Andreas, sportlich, mit aufgeknöpftem, violettem Hemd und Surferfrisur, sitzt auf Uelis Balkon in Alpnach-Dorf, Obwalden, und nippt an einem kalten Bier.
Um ihn herum sitzen seine neue Freundin (Natalia), seine neue Familie (es sind eine Menge, darunter Mama Jane) und seine neuen Haustiere (dazu gleich mehr). Für die nächsten zwei Tage hat er mit Ueli sein Leben getauscht.
Bier und Bowle in der Wanne
Ueli ist zwar bereits in Solothurn, doch er hätte besser nicht vorsorgen können: Die sechs Kilo Kartoffelsalat in der Küche hat er selbst gemacht, genau so den Schokopudding für später. Es gibt noch einen Hörnlisalat, Wurst, Kotelettes und eine Badewanne voller Bier, Bowle und Eistee.
Andreas ist erst seit einer knappen Stunde hier, doch er ist bereits bestens integriert, schäkert mit Uelis Leuten, grilliert für sie und empfängt die Gäste, von denen laufend mehr kommen, die meisten gehören zu Uelis Familie.
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Da ist Schwester Iris mit Töchterchen Noemie, Schwester Chiara, Bruder Nik mit Freundin Tamara, Bruder Tobias, Schwester Thesi, Freundin Natalia und Mama Jane (sprich: Schann). Man erkennt leicht, wer zur Familie gehört, Ueli hat sie alle tättowiert.
Für uns drückt Andreas seine Zigarette aus und zeigt «sein» Reich, ein altes Haus in Alpnach-Dorf. Da ist ein kleines Zimmer, in dem ein grosses Bett steht; das von Ueli, dem Zweimeter-Mann. Für diese Nacht gehört es Andreas.
Mitbewohner der anderen Art
Im Nebenzimmer, das neben der Küche, wohnen seine Mitbewohner auf Zeit: Uelis Bruder Tobias wohnt da nicht alleine, obwohl es so aussieht. Andreas öffnet den Wandschrank. «Voilà, da sind noch ein paar Tierchen.» Es sind zwei, ein Leguan, klein, schüchtern, giftgrün und ein sogenannter Agame mit Namen 39/40.
«Das ist nicht sein Preis, das ist sein Name», erklärt Schwester Thesi. Die Echse ist gelbbraun, hat gelbe Augen und gehört Bruder Ueli, dem Freidenker, der in seiner Wohnung weder TV, Radio, noch Internet hat - aber eben die Echse 39/40, die jetzt auf Andreas' Schulter sitzt. Er zeigt sich furchtlos.
Die Sonne knallt auf den Balkon, Schatten spenden nur die Storen, doch die Sonne drängt sich weiter vor, je länger der Tag geht. Andreas fühlt sich zu Hause in seinem neuen Zuhause, Uelis Freundin nennt er bereits «Schatz». Was wohl Ueli dazu sagt?
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Ueli in Andreas' Leben |
Es wird heisser. Doch auch für diesen Fall ist vorgesorgt. In einer Ecke des grosszügigen Balkons ist eine Dusche installiert, dreht man den Hahn auf, wirft sie eiskaltes Quellwasser vom Pilatus auf den Balkonboden - und auf Andreas. Er springt schnell wieder aus dem Wasserstrahl, doch der Fotograf bittet um eine Zugabe.
Andreas brüllt. Es ist wirklich, wirklich kalt.
Wir gehen. Doch wir haben das Gefühl, dass alle andern noch eine Weile bleiben - ist man erstmal auf diesem Balkon, geht man kaum mehr freiwillig. Es ist eben wirklich gut möglich, dass die Gastfreundschaft hier erfunden wurde. (jam)
