Gstaad: Mekka der Schönen und Reichen
Gstaad ist das Cannes des sonst so bodenständigen Berner Oberlands. (Gstaad Tourismus)
Der Haushaltwarenhändler Gottfried von Siebental betreibt im Zentrum vom Gstaad einen Laden. Seit seinem zwölften Lebensjahr beschäftigt er sich mit der Geschichte des Tourismusresorts.
Erfolgsrezept Zug – Hotel – Internat
«Schon vor der Jahrhundertwende verkehrten reiche Engländer und Russen im Berner Oberland», erzählt von Siebental. «Den Startschuss für den erfolgreichen Tourismus lieferte die MOB (Montreux-Oberland-Bahn), welche das Saanenland 1905 für den Schienenverkehr erschlossen hat.»
Ein weiterer Meilenstein war die Eröffnung des Palace Hotels, welches 1913 – ein Jahr vor dem Beginn des ersten Weltkriegs – eröffnet wurde und eine illustre Schaar von Gästen anlockte. Kurz vor Kriegsende eröffnete die renommierte Privatschule «Institut Le Rosey» ihre Winterdependence im Kurort, womit Gstaad endgültig zum Refugium für die High Society wurde.
«In den 20er-Jahren besuchte der Schah von Persien das Internat und spielte regelmässig mit meinem Vater Eishokey», weiss von Siebental zu berichten. «Die Buben wussten, dass sie es mit jemandem aus einer wichtigen Familie zu tun haben, aber wurden sich erst später seiner Bedeutung bewusst.»
Skilektionen für Paul McCartney und Prinz Charles
Auch Ruedi Widmer, welcher das Posthotel Rössli bis 1989 in der 3. Generation führte, machte in den Gassen und auf den Pisten Gstaads interessante Bekanntschaften. In seinem Nebenjob als Privatskilehrer brachte er auch Ex-Beatle Paul McCartney und seiner damaligen Frau Linda den Parallelschwung bei. «Er war eigenwillig, liess sich nichts sagen und stand relativ steif auf den Brettern.»
Über einen weiteren illustren Gast seines Hauses, wurde er erst vor kurzem informiert: Angeblich logierte der Autor Ernest Hemmingway in den 20er Jahren regelmässig im Hotel. «Darüber wusste ich nicht einmal Bescheid, bis mir ein Amerikaner vor kurzem ein Buch mit einem Foto Hemmingways in Gstaad gezeigt hatte.»
Stillstand ausgeschlossen
Heute wird viel Effort betrieben, dass Gstaad seinen Status als Top-Destination behält. Seit 1999 ist das Zentrum komplett autofrei. Und selbst schwerreiche Bauherren haben sich an den vom Baureglement verordneten Chalet-Stil zu halten, um den Charme des Bergdorfes zu erhalten.
