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Der Loser vom Südpol

Der 17. Januar 1912 war kein guter Tag im Leben von Robert Falcon Scott. Genau genommen, war es sogar ein total beschissener Tag. Er schaffte es an den Südpol - aber nicht als erster.

Robert Falcon Scott: «Vor mir hat das hier noch niemand gemacht!» (cic)

Tagebuch von Robert Falcon Scott

Das multimediale Tagebuch aus der British Library

Hello South Pole-Station!

DRS 3-Redaktor Andrea Christen telefoniert mit John Kovac und Julie M. Palais von der Amundsen-Scott-Südpolstation.

Telefongespräch

Roald Amundsen war schneller. Er hatte den Südpol rund einen Monat vor den englischen Polarforscher Robert Falcon Scott erreicht. Man muss sich Scott als Mann mit leerem Blick vorstellen, als das erste Mal Schlittenspuren im Südpol-Schnee entdeckte und wusste: da war jemand vor ihm hier.

«Das Schlimmste ist passiert», notierte er bei minus 22 Grad in sein Tagebuch. «Kopf hoch», möchte man ihm zurufen, «du bist nicht allein.» Das Schicksal, Zweiter zu werden, teilt Scott mit anderen aufrechten Personen der Zeitgeschichte.

Die 2 am Rücken
Mit Antonio Meucci beispielsweise, dem italienischen Beinahe-Erfinder des Telefons. Man stellt sich die Szene vor: Herr Meucci marschiert ins Patentamt, um seine Erfindung, das Telefon, anzumelden. Er stellt sich in die Warteschlange vor dem Schalter «Neuanmeldungen Patente». Brrring! Ein Telefon klingelt. Herr Meucci ahnt, dass etwas schief gelaufen ist. Fakt ist: Alexander Graham Bell war schneller, Antonio Meucci bleibt die Nummer 2.

Oder denken wir an Raymond Poulidor, den französischen Radrennfahrer: der hatte in den 1960er und 1970er Jahre Gelegenheit, die Trikotreklame auf dem Rücken so manchen Etappensiegers eingehend zu studieren. Poulidor pflegte als Zweiter über die Ziellinie zu fahren. Trotzdem war er höchst beliebt im Volke.

Trostpflästerli für Scott
Wäre all dies Robert Falcon Scott ein Trost gewesen? Wohl kaum. Das norwegische Fähnlein Amundsens, wie es fröhlich im eisigen Wind am Südpol flattert, muss sich ihm ins Gedächtnis gebrannt haben. Er hat dieses Bild bis zu seinem Tod nicht mehr vergessen. Das war einen Monat später, auf dem Rückweg vom Südpol. Der 17. Januar war nicht sein Tag und 1912 nicht sein Jahr.

Und jetzt kommt es: 100 Jahre später können wir doch von einem kleinen Happy End für Mister Scott berichten. Die hochmoderne Forschungsstation in der Antarktis heisst heute nicht etwa nur Amundsen-Südpolstation, sondern Amundsen-Scott-Südpolstation. Nicht schlecht für einen, der den Südpol erreicht hat und in sein Tagebuch notiert: «I am annoyed».

Robin Alder

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Audio-Beiträge:


Die traurige Geschichte von Robert Falcon Scott
Hören (5:00)

Wem gehört der Südpol? Fredy Gsteiger, diplomatischer DRS-Korrespondent, im Interview
Hören (7:38)
Der ewige Zweite am Südpol (Bildstrecke)
Der ewige Zweite am Südpol
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Hörbar - Literatur fürs Ohr vom Mittwoch, 14.12.2011, 14.05 Uhr, DRS 1

Wettlauf zum Südpol

Am 14. Dezember 1911 wehte am Südpol zum ersten Mal eine Flagge. Der norwegische Polarforscher Roald Amundsen hatte sie gehisst. Er und seine Begleiter hatten als erste Menschen den südlichsten Punkt der Erde erreicht.  Mehr

Hören (28:23)


Schnellsuche:
Roald Amundsen

16. Juli 1872 in Hvidsten/Federikstad  Mehr

Robert Falcon Scott

6. Juni 1868 in Plymouth  Mehr

Shackleton bricht Südpol-Expedition ab
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