Tsunami-Überlebende: «Zuviel Wasser um mich herum, ertrage ich nicht mehr.»
Nicole Hürlimann: «Es bleibt die Frage, warum gerade ich überlebt habe und andere nicht.»
«Wir sahen wie sich das Wasser wie Bauklötze auftürmte», sagt Nicole Hürlimann. In Panik rannten sie und ihr Mann dem Wasserberg davon - und wurden doch noch vom Tsunami erfasst. Hürlimanns überlebten die Naturkatastrophe mit Verletzungen am ganzen Körper.
«Das Handgelenk war gebrochen, ich hatte tiefe Hautschürfungen und hatte durch die Verunreinigungen des Wassers irgendeinen Käfer, der nur mit einer langwierigen Antibiotika-Behandlung bekämpft werden konnte», erzählt Nicole Hürlimann.
Heute sind die Wunden verheilt, doch Narben bleiben. «Ich würde heute keinen Schönheitswettbewerb gewinnen», meint Nicole Hürlimann lächelnd.
Sehnsucht nacht Verbindlichkeit
Nicole Hürlimann macht immer noch gerne Ferien am Meer, in den letzten fünf Jahren war sie aber nie mehr in Thailand. Doch sie hat fest vor, irgendwann in die Vergangenheit zu reisen und nochmals Khao Lak zu besuchen. Der 26. Dezember 2004 hat Nicole Hürlimanns Leben nachhaltig erschüttert.
«Es war das grosse Glück dass ich das Unglück mit meinem Partner erlebt und überlebt habe - das machte die Aufarbeitung der Katastrophe leichter.» Aber die Frage bleibe, warum wir gerade überlebt haben und andere nicht.
Nach dem Tsunami entstand bei den Hürlimanns der Wunsch nach mehr Verbindlichkeit im Leben. «Wir haben ein Jahr nach dem Tsunami geheiratet und wurden mit zwei Kindern zu einer Familie», erzählt Nicole Hürlimann.
Eine gewisse Angst bleibt
«Eine Übervorsicht bleibt im Alltag zurück», sagt Nicole Hürlimann. «Ich bin viel sensibler auf Gefahren, egal ob sie real sind oder nicht.» Und: Früher eine leidenschaftliche Taucherin und Schnorchlerin, mag Nicole Hürlimann heute nicht mehr unter Wasser zu kommen. Sie sagt: «Zuviel Wasser um mich herum, ertrage ich nicht mehr.» (che)
