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Letztes Update: Donnerstag, 18.3.2010

Casting-Opfer: Der geplatzte Traum vom Ruhm

Kein anderes Fernsehformat war in den letzten zehn Jahren so erfolgreich wie das der Castingshows. Die Bilanz: Ein paar wenige, dies geschafft haben, zerbrochene Ehen und etliche Suizide.

Piero Esteriore verlässt in Zürich das Gefängnis. Nachdem er mit einem Auto ins Ringier-Pressehaus gerast ist, verbrachte er eine Nacht hinter Gittern. (key)

Paula Goodspeed wollte ein Star werden, ein «American Idol». Sie kam in die Sendung, fiel durch und wurde von Publikum und Jury verspottet. Daraufhin fuhr sie mit ihrem Auto in den Tod. Tanja Saha konnte ihre Niederlage beim Casting zur indischen Reality-Show «Fatafati» nicht verkraften und schluckte noch vor Ort eine Flasche tödliches Gift.

Die Stars, die es dank Castingshows geschafft haben, lassen sich an einer Hand abzählen. Die Opfer sind zahlreicher - und sie fallen tief. Das musste auch Piero Esteriore erfahren. Er hat der Schweiz gezeigt, wie tragisch eine Casting-Karriere verlaufen kann.

Verspottet statt verehrt
Der Baselbieter mit italienischen Wurzeln schaffte es in die letzte Runde der ersten Staffel des Schweizer «MusicStar». Doch Piero wurde zum Gespött, statt zum Star. Nachdem ein «Blick»-Journalist einen satirischen Artikel über eine von Esteriores Familienfeiern verfasst hatte, verlor Esteriore die Beherrschung. mit dem Mercedes seiner Mutter raste er in die Eingangstüre des Ringier-Pressehauses - die ganze Schweiz schaute zu.

Seither bastelt Piero unermüdlich an seinem Durchbruch. Er will das Gefühl zurück, das er während MusicStar hatte: «Du kommst dir vor wie Gott im Himmel. Doch bereits mit dem Lichterlöschen nach der finalen Sendung kommt die grosse Ernüchterung.» Dieses Gefühl kennen die meisten Kandidaten von Castingshows.

Harter Abstieg
Innerhalb kürzester Zeit stehen die Kandidaten im Rampenlicht und die ganze Welt schaut auf sie. Ihre Leistung ist zweitrangig, was die Show zum Ereignis macht, sind die Dramen, die Konkurrenzkämpfe, die Leiden der Kandidaten. Ist die Show zu Ende, müssen die Kandidaten mit ihrem Abstieg fertig werden. «Das ist Knochenarbeit», sagt Esteriore auf DRS 3.

Ein Spitzensportler bereite sich 3, 4 Jahre lang auf einen wichtigen Wettkampf vor, ein Kandidat einer Castingshow habe keine zwei Monate. «Es ist wie wenn man ein Kind, das nicht schwimmen kann, ins kalte Wasser wirft». Und trotzdem, sagt Piero Esteriore, trotzdem sei MusicStar das Beste, was ihm hätte passieren können.

«Die Castingshow hat mich an die Öffentlichkeit gebracht und mir zu Aufmerksamkeit als Künstler verholfen». Doch Aufmerksamkeit alleine brachte ihm bis heute nichts, er verkam in den Augen der Schweiz zu einer tragischen Figur. (yba)

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