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30.01.2012

Wer hat Angst vor Filmemachern? Wirtschaftsbosse

Je mehr die Wirtschaft kriselt, desto dringlicher werden die kritischen Fragen, die Filmemacher auf der ganzen Welt stellen. Doch die eigentlichen Verantwortlichen verweigern oft jeglichen Kommentar.

Kritische Filmemacher wie Michael Moore sind bei Wirtschafts- und Finanzvertretern oft nicht willkommen: Szene aus «Capitalism: A Love Story». (Ascot Elite)

Nicht erst seit der Wirtschaftskrise von 2008 drehen Regisseure kritische Filme zu Wirtschaftsthemen. In «Modern Times» (1933) zum Beispiel hinterfragte Charlie Chaplin die Arbeit am Fliessband. Und in Orson Welles' legendärem «Citizen Kane» (1941) ging es um die Macht eines Medienmagnaten.

«Margin Call»
Einer der neusten Spielfilme mit kritischer Stossrichtung ist «Margin Call» (2011). Darin versucht J.C. Chandor aufzudecken, warum es zur Wirtschaftskrise 2008 kam. Ein hochkarätiges Schauspielensemble um Kevin Spacey und Jeremy Irons verkörpert die Belegschaft einer US-Investment Firma.

Ein junger Risikoanalyst (Zachary Quinto) entdeckt ein aufgeblähtes Finanzierungssystem, das nicht nur seine eigene Firma vernichten, sondern eine globale Wirtschaftskrise auslösen würde. Packend wie ein Thriller.

«Capitalism: A Love Story»
Neben Spielfilm-Regisseuren interessieren sich natürlich vor allem Dokumentarfilmer für die Mechanismen, die globale Konzerne antreiben. Insbesondere Michael Moore hat sich in jüngster Zeit einen Namen gemacht als unerschrockener Guerilla-Filmer.

Moore wird allerdings auch kritisiert, er setze sich selber zu sehr in Szene. Wie immer man dazu stehen mag, die Ironie ist erfrischend, mit der er etwa in «Capitalism: A Love Story» (2009) aufzeigt, wie die Verursacher der Wirtschaftskrise von 2008 Milliarden erhalten, während «der kleine Mann» auf die Strasse gestellt wird. Sehenswert.

«Inside Job»
Weniger emotional, aber nicht weniger entlarvend nimmt Charles Ferguson in seinem oscarprämierten Dokumentarfilm «Inside Job» (2010) die obersten Kaderleute der Finanzbranche aufs Korn.

Während die ganz grossen Fische wie Alan Greenspan durchs Band Interviews verweigerten, machen die Aussagen kleinerer Fische bewusst, wie die mächtigsten Finanzleute in den USA Gesetzesänderungen durchboxten, die jegliche Kontroll- und Regulationsinstanzen der Finanzbranche entmachteten. Ein sehr verstörender Film.

Weitere Wirtschaftsfilme
Wall Street: Money Never Sleeps (2010)
The Social Network (2010)
Cleveland vs. Wall Street (2010)
Khodorkovsky (2011)
Bottled Life: Nestlés Business with Water (2011)

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Reto Baer


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