Game-Tipp: «Limbo» ist ein Albtraum, «Limbo» ist ein Meisterwerk
«Limbo» ist ein archetypischer Albtraum. Schwere Kost für Erwachsene, doch hervorragende Unterhaltung.
«Limbo» (deutsch und lateinisch «Limbus», «Rand, Saum») ist ein wunderbar nerdiges Konzept der katholischen Theologie, ein Schlupfloch im Gesetz, damit nicht Getaufte nicht automatisch in der Hölle landen, zum Beispiel Kinder, die vor der Taufe sterben.
Das offizielle Marketing nimmt das jedoch nicht so genau. Da heisst es: «Um herauszufinden, was mit seiner Schwester passiert ist, betritt ein Junge LIMBO.» Im Spiel selber wird uns aber gar nichts erklärt.
Am Anfang: Nichts
Wir beginnen das Spiel in einem Wald, wo ein Junge aufwacht beziehungsweise wo wir ihn aufwecken - bevor wir nicht einen Knopf drücken, passiert nämlich einfach gar nichts. Dann setzt er sich auf und blinzelt. Dass wir eine Schwester suchen sollen, wird nicht einmal angedeutet.
Wir gehen los und merken schnell, dass wir von links nach rechts gelangen sollen - und dass wir uns in einer Welt befinden, die trostloser, kahler, verlassener, furchterregender nicht sein könnte.
Es gibt keine Farben, unsere Spielfigur und Objekte sind schwarze Silhouetten, nur ganz selten durchdringt weisses Licht das Grauen, meistens streicht dunkler Nebel um toten Bäume.
Nur die unmittelbare Umgebung des Jungen ist scharf, der Rest des Bildes verschwindet in der Unschärfe. Das Spiel ist nicht nur visuell minimalistisch, sondern auch der Ton.
Archetypischer Albtraum
Wir hören das Rauschen des Windes, Regentropfen, knarrende Äste oder das Klick eines Schalters, aber keine Musik. Selten signalisiert ein dumpfes Dröhnen besondere Gefahr. Wir fühlen uns beobachtet, belauert, machtlos und allein.
Die Welt von Limbo ist der archetypische Albtraum. Die Gefahr ist zwar stilisiert, aber keineswegs beschönigt.
Was zunächst harmlos und kindlich erscheint, entpuppt sich schnell als schwere Kost für Erwachsene. Die Spielfigur stirbt tausend grausame Tode. Doch: Limbo beweist eindrucksvoll, dass ein Spiel auch unterhalten kann, wenn es zutiefst traurig ist. (beg)
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