Politische Kommunikation im Jahr 2010: Bundesrats-Aspiranten schneiden schlecht ab
Jacqueline Fehrs Facebook-Auftritt überzeugt DRS 3 am meisten - was ihr auch gleich den neusten Fan-Eintrag beschert hat.
Die Zusammenfassung am Anfang: Die Facebook-Seiten der angehenden Bundesrätinnen und Bundesräte nutzen das Soziale Netzwerk nicht gut genug.
Freunde: Wer hört eigentlich zu?
- Jacqueline Fehr
Die SP-Frau hat ein privates Facebook-Profil, das sie für ihre politische Kommunikation nutzt. Sie hat derzeit 1'168 Freunde. - Johann Schneider-Ammann
Der FDP-Mann hat eine Facebook-Seite für den Bundesratswahlkampf gemacht. 257 Personen haben «Gefällt mir» geklickt und erhalten seine Einträge. - Simonetta Sommaruga
Die SP-Frau hat keinen eigenen Facebook-Auftritt, doch verschiedene Unterstützer haben Gruppen für sie erstellt. Die grösste Gruppe hat derzeit 180 Mitglieder. - Karin Keller-Sutter
Die FDP-Frau aus der Ostschweiz hat eine Facebook-Seite für den Bundesratswahlkampf erstellt - 145 Menschen folgen ihr.
Inhalte: Was wird geredet?
Den besten, spannendsten und informativsten Facebook-Auftritt hat Jacqueline Fehr. Die SP-Frau verrät in ihren Status-Updates, woran sie arbeitet, veröffentlicht Fotos und sagt, wo man sie persönlich treffen kann.
Johann Schneider-Ammann postet ausnahmslos nur Zeitungs- und andere Artikel, in denen es um ihn geht. Das wirkt selbstverliebt - und geht auch über den Nachrichten-Alarm von Google oder anderen Anbietern.
Karin Keller-Sutter hat ihren Facebook-Auftritt offenbar schon sehr, sehr lange nicht mehr angeschaut. Einen einzigen Beitrag hat sie veröffentlicht, kommentarlos. Am 20. August, als im «Tages Anzeiger» stand, dass sie in den Bundesrat will. Danke, notiert.
Kommunikation: Liest das einer?
Facebook ist nicht für Ein-Weg-Kommunikation gedacht, hier soll diskutiert werden. Während Johann Schneider-Ammann und Karin Keller-Sutter jegliche Beiträge konsequent zu ignorieren scheinen, schwingt auch hier Jacqueline Fehr obenauf.
Auch bei Jacqueline Fehr gibt es zwar keine grossen Diskussionen. Doch sie liest die Beiträge, antwortet hin und wieder oder klickt «Gefällt mir» unter Kommentare von Nutzern. Das gibt den Nutzern das Gefühl, dass sie ernst genommen werden - und das ist wichtig.
Zusammenfassung: Was zu tun ist
Auch wenn der Bundesrat nicht vom Volk gewählt wird, ist er diesem verpflichtet - und deswegen lohnt es sich, Nähe zu zeigen mit einer Facebook-Seite oder einem Auftritt in anderen Sozialen Medien.
Wichtig ist es, dass man Seiten statt Profile macht. Profile sind für Privat-Personen und haben eine Freundeslimite von 5'000 - da sind unsere Politiker wohl ehrgeiziger.
Wichtig ist es auch, dass man abwechslungsreiche Beiträge veröffentlicht: Zeigen, was man tut, was man denkt, wer man ist. Am besten ist man auch in der Form abwechslungsreich - postet mal Fotos, mal Videos, mal Links und Textbeiträge. (jam)
