Philippinisches Personal in Schweizer Spitälern?
Pflegepersonal - dringend gesucht. (Keystone)
Von Bundeshausredaktor Pascal Krauthammer
Bis in zehn Jahren könnten hierzulande zehntausende von Pflegerinnen und Pflegern fehlen. Bis anhin profitierte das Schweizer Gesundheitswesen vom Freizügigkeitsabkommen mit der EU. Doch FDP-Nationalrätin Doris Fiala, die einem runden Tisch zur Migrationspolitik vorsteht, warnt davor, sich zu stark auf dieses Pflegepersonal aus Deutschland und Frankreich zu verlassen.
Interesse auf den Philippinen
Weil diese Länder die gleichen Überalterungsprobleme wie die Schweiz hätten, habe sich das Deza auf die Suche nach Alternativen gemacht, so Fiala. Auf den Philippinen sei man schliesslich fündig geworden. Dort gäbe es Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Schweiz.
Über das Stagiereabkommen ist es schon heute möglich, phillippinische Pflegekräfte in die Schweiz zu holen. In Zukunft könnte die Politik aber ein grösseres Kontingent zulassen, wenn es zu einem Pflegenotstand käme, so Fiala. Die Philippinen seien ein Land, die ihre Pflegenden «als Exportgut» betrachteten. Schon heute entsandten sie viele Pflegende etwa in die Vereinigten Staaten. Die Schweiz, so Fiala, überprüfe nun, ob das - «wenn es denn nötig wäre» - auch hierzulande möglich sei.
Kritische Stimmen
Diese Pläne bereiten dem «Netzwerk Medicus Mundi» Sorgen. Der Zusammenschluss von 42 Organisationen aus dem Gesundheitsbereich verlangt, dass die Schweiz nicht aktiv aus Ländern rekrutiert, die selbst unter kritischem Personalmangel leiden. «Die Philippinen haben zwischen 2002 und 2007 rund 1000 Spitäler schliessen müssen - wegen Gesundheitspersonalmangel», gibt Martin Leschhorn vom Netwerk Medicus Mundi zu bedenken. Im Interesse der philippinischen Bevölkerung werde seine Organisation deshalb darauf hinweisen, dass es nicht einfach gut sei, Fachpersonal von dort in die Schweiz zu holen.
Medicus Mundi weist in einer grösseren Kampagne auf den Kodex der Weltgesundheitsorganisation hin. Dieser verlange, dass jedes Land seinen Bedarf selber decke, so Leschhorn. «Und hier können wir mehr machen: in die Ausbildung in der Schweiz investieren, in die Qualität der Arbeitsplätze.» Das könnte dazu führen, dass das heimische Personal in seinen Jobs bleibe und nicht - wie es jetzt häufig der Fall sei - nach einigen Jahren den Gesundheitsbereich wieder verlasse.
Den Schweizer Pflegeberuf stärken will auch Migrationspolitikerin Doris Fiala, die ausländischen Arbeitskräfte will sie trotzdem nicht aus den Augen verlieren. Sie nehme die kritischen Stimmen zwar ernst. Dennoch gehe es in einer Güterabwägung darum, «dass wir unsere ausserordentlichen Herausforderungen anpacken und nicht romantisch und blauäugig die Augen verschliessen.» Je älter die Bevölkerung werde, ist Fiala überzeugt, desto stärker werde der Ruf nach zusätzlichem ausländischem Pflegepersonal. (ank)
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