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  • Gesundheitskosten senken - aber wie?:
  • Zurück zum Dossier «Hilfe im Dschungel der Krankenkassenprämien»

(Keystone)

Warum Gesundheit immer teurer wird

Die Gesundheitskosten steigen und steigen. Die Ursachen dafür liegen in der Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre, in der Finanzkrise und auch bei den Krankenkassen.

Gründe für die steigenden Kosten

Fehleinschätzung der Kosten
In den vergangenen Jahren wurde die Kostensteigerung im Gesundheitswesen unterschätzt. Die Prämien waren zu tief angesetzt. 2008 erlitten die Kassen deshalb einen Verlust von 800 Millionen Franken.
Finanzkrise
Neben der starken Kostensteigerung machten den Krankenkassen auch Verluste auf den Finanzmärkten zu schaffen. Sie verloren Geld an den Börsen. Die Reserven schrumpften.
Aufholbedarf aus politischen Gründen
In den vergangenen Jahren wurden die Prämien zudem aus politischen Gründen nicht dem Kostenanstieg angepasst. Die Kassen wurden angehalten, ihre Reserven zu senken. Dies muss aufgeholt werden.
Die Bevölkerung wächst
In der Schweiz wächst die Bevölkerung. Somit steigt auch die Zahl jener, die das Gesundheitswesen beanspruchen.
Die Menschen werden älter
Die Menschen in der Schweiz werden älter. Alte Menschen haben ein grösseres Bedürfnis nach medizinischer Versorgung und Pflegeleistungen. In den letzten Lebensjahren steigen die Gesundheitskosten exponentiell.
Ungesundes Leben
Übergewicht, Rauchen und wenig Bewegung wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Dennoch sind diese Probleme in unserer Gesellschaft weit verbreitet.
Das Angebot wird grösser
Mehr Ärzte, neue und häufig teure Behandlungsmethoden und Medikamente: Das Angebot im Gesundheitswesen wächst. Entsprechend werden heute Beschwerden behandelt, die früher nicht hätten behandelt werden können.
Jeder ist sich selbst der Nächste
Jeder will im Krankheitsfall die beste Behandlung. Die Kosten werden dabei nicht in Betracht gezogen, niemand will bei sich selber oder bei seinen Verwandten mit dem Sparen beginnen. Das System setzt falsche Anreize, denn sobald der Selbstbehalt bei der Krankenversicherung ausgeschöpft ist, bezahlt die Allgemeinheit.


Systembedingte falsche Anreize

Sparer werden bestraft
Ärzte verdienen an langen Behandlungen mehr als an kurzen und effizienten. Wenn ein Arzt eine teure Behandlung ablehnt, können die Patienten einfach zu einem anderen Arzt wechseln. Die Diskussion darüber, ob eine Behandlung – zum Beispiel eine Operation – Sinn macht, ist tabuisiert.
Das Angebot der Versicherungen
Im harten Konkurrenzkampf um Kunden bieten die Versicherer in den Zusatzversicherungen immer mehr Leistungen an, die dann auch in Anspruch genommen werden.
Die starke Pharmaindustrie
Die Pharmaindustrie profitiert von hohen Preisen. Sie kann ihre Anliegen im Parlament jeweils gut vertreten. In der Schweiz sind Medikamente oft teurer als im Ausland, trotzdem sind Parallelimporte verboten. Die Aufhebung des Parallelimportverbots für Medikamente hat das Parlament im Dezember 2008 abgeblockt. Ausserdem werden laufend neue Produkte hergestellt, welche zu einer zusätzlichen Nachfrage führen.
Zu lange Spitalaufenthalte
Gemäss Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegen Schweizerinnen und Schweizer zwei bis drei Tage länger im Spital als Patienten in anderen Industriestaaten. Spitalbetreiber haben aber wenig Interesse daran, die Dauer zu verkürzen, da sie dann auch weniger verdienen.
Zu viele Spitalbetten
In der Schweiz bestehen Überkapazitäten an Spitälern, die alle eine möglichst gute Versorgung anbieten wollen. Spitalschliessungen sind für Gesundheitsdirektoren aber unpopulär, vor allem wenn sie wiedergewählt werden wollen. Die politische Diskussion über Zentren der Spitzenmedizin wird hitzig geführt.
Die Kantone schauen für sich
Auch im Gesundheitswesen herrscht Föderalismus. Anstatt gemeinsam zu planen, sind die Kantone daran interessiert, als Standort eine möglichst umfassende medizinische Versorgung anzubieten.
Die Politik kommt nicht voran
Im Parlament blockieren sich die Akteure im Gesundheitsweisen gegenseitig. Dabei haben die Interessensvertreter der Pharmabranche, der Krankenkassen, der Kantone, der Ärzte und der Patienten die Möglichkeit, Reformen zu verunmöglichen. Sie alle haben entweder eine starke wirtschaftliche, politische oder eine grosse Referendumsmacht im Rücken.

(luek)

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