Buch-Tipp: Jürg Acklin «Vertrauen ist gut»
Felix, die Hauptfigur des Romans, wohnt bei seinem Bruder, einem Schriftsteller, und dessen Familie. Da Felix seit seiner Kindheit im Rollstuhl sitzt, ist das einerseits praktisch, da er Hilfe in Anspruch nehmen kann, wenn er sie braucht, andererseits vernimmt Felix auch, zumeist akustisch, was sich zwischen dem Bruder und seiner Frau zuträgt - und das reicht vom Streit bis zur liebestollen Versöhnung.
Felix' Arbeit besteht darin, das Manuskript des Bruders abzutippen. Darin geht es um religiösen Fanatismus, eine Kindesentführung und sogar ein Mord wird angedeutet. Felix' anfänglich zögerliche Vermutungen über Parallelen zum Leben seines Bruders nehmen scheinbar immer konkretere Formen an.
Der Clou an diesem Buch ist, dass Felix aus der Ich-Perspektive erzählt und damit haben wir das Geschenk: Was wir lesen, ist Felix' Interpretation und man weiss nie mit Sicherheit, was wahr ist und ob es tatsächlich das Leben des Schriftstellers ist, das still aus dem Ruder läuft oder ob Felix sich in etwas hineinsteigert. So schraubt sich die Spannungsspirale das ganze Buch hindurch steil in die Höhe. Acklin erzählt schnörkellos und gerade deshalb echt von diesem Ping-Pong zwischen Fiktion und Wirklichkeit.
Das Buch:
Jürg Acklin «Vertrauen ist gut»
Roman, 160 Seiten
Nagel & Kimche Verlag
ISBN: 3-312-00364-4
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