Buch-Tipp: Andrea Gerster «Mimosa fliegt»
«Mimosa fliegt» präsentiert starke Themen, klar und deutlich erzählt, erlebt von Protagonisten, die miteinander in Beziehung stehen, ohne dass dazu Geigen spielen und Kirchturmglocken läuten: Es sind kleine, unausgesprochene Verbundenheiten, wie die von Gerda und Bertram, die in einer kleinen Stadt als Stimmenzähler fungieren und so manche Wahl nach ihrem Gusto ausgehen lassen.
Auch die Titelgeschichte «Mimosa fliegt» illustriert eine Beziehung: Mimosa ist eine unheimlich eigenständige Skulptur, bearbeitet von einem Bildhauer: «Er schaut nicht hin, will nicht sehen, was er da tut. Der Künstler arbeitet an der Figur, an seiner Mimosa. Jeden Tag.» «Mimosa fliegt» ist in Zusammenarbeit mit dem Aachener Bildhauer Klaus Schmetz entstanden; im Buch sind Bilder seiner Skulpturen zu betrachten.
Vielleicht ist die Mimosa auf dem Titelbild des Buches die Skulptur aus der Geschichte; gross und stark steht sie am Ufer, dem See zugewandt - sie hat aber keinen Kopf. Wohl hat ihr Name eine Verwandtschaft mit dem Begriff «Mimose» - nebst der Pflanze, die so genannt wird, bezeichnet man empfindliche Menschen als Mimosen. Mit solch empfindlichen und empfindsamen Menschen hat man es in allen Erzählungen von Andrea Gerster zu tun; legt man den Band zur Seite, kann es sein, dass man bemerkt, dass empfindsame Menschen nicht nur in diesem Buch, sondern auch im eigenen Kopf und in der nächsten Umgebung wohnen.
«Mimosa fliegt » ist ein Muss für: TalbewohnerInnen. «Mimosa fliegt» vertreibt hartnäckigen Morgennebel und die Geschichten zeigen sich unverhüllt, glasklar und detailgetreu, ausgeleuchtet von einer starken Sonne.
Das Buch:
Andrea Gerster «Mimosa fliegt»
Erzählungen, 120 Seiten
Bucher Verlag, Hohenems
ISBN: 3-902679-19-2
SFr. 33.90
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