Buch-Tipp: «Herz aus Sand» von Daniel Goetsch
Die Vergangenheit eines scheinbar anderen Franks wird brockenweise aufgerollt; er stammt aus Baden, seine grosse Liebe heisst Alma, gemeinsam steigen die beiden ins Leben als Erwachsene ein; spotten lange über die Worte «Ihr gehört jetzt zur Elite», die sie zuletzt gehört haben, bevor sie die Schule verlassen haben. Über dem Alltag verliert sich ihre Verbundenheit im Schweigen; Alma beginnt eine Karriere als politische Beraterin und scheitert am Druck.
Frank - das ist ein und dieselbe Person. Als Beobachter steckt er stoisch in einem ungesunden Zynismus; in der Vergangenheit, aus der er - nach einem Unfall - in die Westsahara geflüchtet ist, ist er unsicher und verletzlich. Schliesslich ist es die Figur von Duncker, ein Berliner Architekt, der Frank mit seiner Erinnerung konfrontiert, so dass er sie zu notieren beginnt.
Der in Zürich geborene Autor Daniel Goetsch führt mit sicherer Schreibe durch die beiden Leben des Frank, arbeitet mit passenden Mitteln, der Ich-Erzähler Frank seziert das triste Dasein im Camp: «Vielleicht ist das Wesen der Wüste am besten in den Wanderdünen veranschaulicht, jenen verwehten Sandriesen, die alle Geschichten unter sich begraben und tausend Skorpione mit sich tragen».
Erzählt Frank von seiner Vergangenheit, spricht er sich selber im Du an, schiebt diesem Du in der Retrospektive Handlungsunfähigkeit zu; legt Alma eine mögliche Erklärung in den Mund: «Uns wird dauernd eingeflüstert, wir hätten glücklich zu sein. Also schämen wir uns, wenn wir unglücklich sind. Aber eine eigene Vorstellung von Glück haben wir nicht, oder?»
«Herz aus Sand» ist ein Muss für: Malerinnen und Maler; Daniel Goetsch malt während ausgiebiger Rückblenden und ausführlichen Momentaufnahmen aus dem irrem Alltag in der Westsahara mit reicher Farbpalette flächendeckende Bilder.
Daniel Goetsch «Herz aus Sand»
Roman, 285 Seiten
ISBN: 987-3-03762-003-8
CHF: 36.-
bilgerverlag
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