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06.03.2010

Film-Tipp: Tim Burton im Disneyland

Es gab eine Zeit, da überraschte Tim Burton mit jedem seiner schrägen Filme. Heute könnte er wohl nur noch überraschen, wenn er mal einen «normalen» Film drehen würde. Stattdessen hat er sich für seinen neuen Film mit «Alice in Wonderland» eines der schrägsten Bücher der Weltliteratur ausgesucht. Warum wirkt der Film dann so konventionell?

Zwei Highlights: der Pilzwald und Johnny Depp als verrückter Hutmacher. (Walt Disney)

Das Branchen-Blatt «Variety» schrieb: «Alice in Wonderland» sei ein von Tim Burton inszenierter Disney-Film statt ein von Disney verliehener Burton-Film. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Einen 2D-Zeichentrickfilm nach Lewis Carrolls Kinderbuch hatte Disney ja 1951 bereits lanciert, nun folgt halt noch die 3D-Version.

Lewis Carrolls Buch «Alice in Wonderland» ist eigentlich unverfilmbar. Zwar geben die lustigen Figuren und Fabelwesen herrliche Filmsujets ab, die zahlreichen Wortspiele und Anspielungen auf Phänomene aus Lewis Carrolls Zeit lassen sich jedoch kaum telquel auf die Leinwand bringen. Entscheidend ist daher nicht, ob der Stoff 1:1 adaptiert, sondern ob der Geist des Buchs eingefangen wird. Dafür müsste Tim Burton mit seinem Hang zu surrealen und grotesken Geschichten eigentlich prädestiniert sein, doch sein Alice-Film kommt erstaunlich konventionell daher.

Verrückte Fabelwelt
Neu ist allerdings der Ansatz. In Burtons Film ist Alice bereits 19 und fällt zum zweiten Mal in ihrem Leben durch ein Kaninchenloch ins Wunderland hinunter, nur um zu erfahren, dass es eigentlich Unterland heisst. Sie habe es als kleines Mädchen aber immer Wunderland genannt. Alice hat ihren ersten Trip dorthin völlig vergessen. Dass sie nun als junge Erwachsene erneut in diese verrückte Fabelwelt gerät, könnte dem Film neue Perspektiven eröffnen, doch das Motiv wird gar nicht richtig ausgereizt.

Ziemlich bald geht es nur noch darum, dass Alice eine Prophezeiung erfüllt, der zufolge sie den Drachen Jabberwocky töten soll. Von da an spult der Film sich ab wie man es von gängigem Fantasy-Futter à la «Harry Potter» oder «Chronicles of Narnia» her kennt. Wenn man solche Filme mag, kann man sich bestens unterhalten. Zumal auch einige Highlights geboten werden, allen voran die schwebende Grinsekatze, die sich in Luft auflösen kann, und der verrückte Hutmacher, der von Johnny Depp verkörpert wird, Tim Burtons Lieblingsschauspieler seit «Edward Scissorhands» (1990). Zu den 3D-Bildern von «Alice in Wonderland» kann man sagen, dass sie durchaus beeindrucken, aber nie ganz die visuelle Kraft von «Avatar» erreichen. (rb)

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Die Kritik des Filmexperten Reto Baer
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DRS 3-Filmredaktor Reto Baer kennt die neusten Filme genauso gut wie die Klassiker und erklärt jeden Montag und Samstag jeweils nachmittags, welche Streifen einen Gang ins Kino lohnen.

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