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07.09.2010

Buch-Tipp: Monika Helfer «Bevor ich schlafen kann»

«Bevor ich schlafen kann» ist ein Buch für Untätige. Die Autorin erzählt ehrlich und unkompliziert aus dem Leben einer Frau, die einem ans Herz wächst, indem sie nichts anderes tut als das, was andere sich nicht trauen.

«Bevor ich schlafen kann» macht uns eine Frau sympatisch, die widrigster Umstände zum Trotz tut, was sie für richtig hält,auch wenn ihre Handlungen bisweilen etwas seltsam anmuten.

Seite 1: Protagonistin Josi Bartok ist beim Arzt. Ihr wurden beide Brüste amputiert. Der Arzt sagt, er könne zwei Schmucknarben versuchen, in dem er die Haut zu Sternen zusammenziehe. Josi will keine Sterne, sie will Kreuze.

Seite 2: Josis Lebensfakten. Verheiratet mit Tomas, zwei erwachsene Kinder. Josi lebt in Wien und war bis zur ihrer Krebserkrankung als Psychiaterin tätig. Noch bevor man mit Seite 3 beginnt, hat einen die Geschichte und die drängende und unkomplizierte Sprache, in der sie erzählt wird, in ihren Bann gezogen.

Sich selber keine Hilfe holen
Die Frau, die ihre ganze Berufskarriere lang anderer Menschen Leid gelindert hat, gerät selber in eine Notsituation: Kurz nach der Operation gesteht ihr Mann, dass er einen Mann liebe, mit dem er zusammenleben wolle. Josi weiss nicht, wie man sich selber Hilfe holt, und verfällt in Selbstironie: «Nie hatte sie Tomas betrogen. Wahrscheinlich aus Erschöpfung. Dann kamen die Kinder.» Krebs, die Trennung: diese Themen sind die Ausgangslage des Buches.

Ungewöhnliche Wege in ein neues Leben
Der Roman beginnt mit der nicht selber gewählten Lebensveränderung und erzählt vom Lebensabschnitt einer erfinderischen Frau, deren Verhalten - sie trägt auf einmal Anzüge und macht sich zum «zarten Herren» - manchmal absurd erscheinen mag. Doch ihr Verhalten ist der Schlüssel zu neuen Lebensmöglichkeiten: Scheinbar planlos versucht sie, verhält sich, verändert sich.

Der Leser begleitet sie bei ihren Versuchen und merkt: Sie zeigen Wirkung. Es wäre nicht zuträglich, endete das Buch mit einem Happy End. Aber es endet versöhnlich nach einer Geschichte, von der man sich provozieren lassen kann und die derweil in keinem Satz effekthascherisch ist. (tk)

Das Buch:
Monika Helfer
«Bevor ich schlafen kann»
Deuticke Verlag
224 Seiten
ISBN: 978-3-552-06142-2

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