Film-Tipp: Crash in Zurich
Finden sich trotz Sprachbarriere: Marion (Sophie Rois) und Ahmed (Güven Kirac). (Praesens)
Ein Amokläufer flieht aus Zürich. Die Strassensperre am Tatort hat einen Unfall zur Folge. Ein Mann muss einen Umweg fahren und übersieht zwei Teenager. Das Mädchen stirbt, der Junge kommt auf die Intensivstation.
Der Unfall zieht seine Kreise in der ganzen Stadt. Die Eltern des angefahrenen Kemal kommen aus der Türkei und können so gut wie kein Deutsch. Kemals Geschwister amten im Spital als Dolmetscher.
Harter Schicksalsschlag
Marion, die Mutter der getöteten Sabine, arbeitet als Krankenschwester im Spital, wo Kemal liegt. In einer der stärksten Szene begegnet sie Kemals Vater Ahmed. Sie spricht Deutsch, er Türkisch, sie verstehen einander nicht und finden sich doch.
Derweil ist Sabines geschiedener Vater stets mit sich selber beschäftigt und realisiert lange nicht, was überhaupt passiert ist. Weder er noch Sabines Mutter wussten vom türkischen Freund ihrer Tochter.
Täter und Opfer
«180°» drehen sich die Leben der Filmfiguren, weil in einer einzigen Sekunde ein Unglück passiert ist. Regisseur und Autor Cihan Inan betreibt fast so etwas wie Verhaltensforschung und fragt: Wie reagieren die Menschen auf so einen Schicksalsschlag?
Die einen wollen sich aus der Verantwortung stehlen, die anderen nehmen sie nicht wahr. Die einen sehen keine Schuld, die andern zerbrechen fast daran. Die einen sind Täter, die andern Opfer, doch letztlich sind viele beides.
Eindrückliches Kinoerlebnis
Der Amokläufer zum Beispiel, der auf Günther Tschanun zurückgeht, den Chef der Zürcher Baupolizei, der 1986 vier Mitarbeiter erschoss. Ein Mensch, der zu so einer drastischen Tat schreitet, ist letztlich selber Opfer.
Diese Themen reflektiert der toll gemachte Episodenfilm sehr gut, auch wenn er in der Verkürzung teilweise zu bedeutungsschwanger oder gar pathetisch wirkt. Im Grossen und Ganzen bietet er aber ein Kinoerlebnis, das lange nachwirkt. (rb)
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