Film-Tipp: Alpengrusel à la Hollywood
Etwas Blut muss sein, wenn auch nur von Schafen: Carlos Leal als Hilfssenn. (Walt Disney)
Regisseur und Co-Autor Michael Steiner beschreibt «Sennentuntschi» als «Mystery-Thriller mit einem Schuss Alpen-Western und ein paar Horror-Elementen». Dem ist nichts hinzu zu fügen, ausser: Der Film ist handwerklich sehr gut gemacht.
Statt die touristische Edelweiss-Seite der Alpen zeigt Steiner eine raue, unberechenbare und gefährliche Bergwelt. Kameramann Pascal Walder holt das Optimum aus der Naturkulisse heraus. Er könnte ebenso gut für ein Hollywood-Studio arbeiten.
Fingernägelkau-Momente
Dass die Filmfiguren nicht vielschichtig gezeichnet, sondern eher Typen als Charaktere sind, gehört zu den genreüblichen Eigenheiten. Entsprechend vordergründig spielen die durchwegs gut besetzten Schauspieler.
Hat man sich einmal damit abgefunden, bekommt man 104 Minuten spannende Unterhaltung. Und obwohl alles Übernatürliche letztlich rational erklärt wird, gibt es noch genug Gruselfaktor und Fingernägelkau-Momente.
Unheilvoller Aberglauben
Um den Kinospass nicht zu schmälern, darf man von der Geschichte nicht zu viel verraten. Deshalb nur ganz kurz: In einem Bündner Bergdorf taucht eine stumme Frau (Roxane Mesquida) auf, die der fanatische Pfarrer (Ueli Jäggi) als Dämonin verunglimpft.
Auf der Flucht landet die junge Frau bei drei Käsern (Andrea Zogg, Joel Basman, Carlos Leal) auf einer Alp, die sie nach einer durchzechten Nacht für ihre Fleisch gewordene Frauenpuppe «Sennentuntschi» halten. So nimmt das Unheil seinen Lauf.
Mehr Thriller als Horrorfilm
Der im Vorfeld vieldiskutierte Film hat durchaus das Zeug zum Publikumserfolg, denn er enthält viel weniger Schocker-Szenen als erwartet. Erst gegen Schluss gibt es einige unappetitliche Momente. Der Film ist also mehr Thriller als Horrorstreifen.
Zum Glück hat der Produzent Bernhard Burgener die Fertigstellung des Films ermöglicht. Aber einen Skandal wie 1981, als das Schweizer Fernsehen Hansjörg Schneiders Bühnenstück «Sennentuntschi» ausstrahlte, wird es nicht mehr geben. (rb)
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