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29.01.2011

Film-Tipp: Sennentuntschi gibt Gummi

Sennentuntschi-Darstellerin Roxane Mesquida bekommt es in Quentin Dupieuxʼ «Rubber» mit einem ganz besonderen Killer zu tun: Ein lebendig gewordener Autopneu killt reihenweise Leute. Genialer Trash für Filmliebhaber.

Der einzige Hauptdarsteller, der es schafft, schärfer auszusehen als Roxane Mesquida: Reifen Robert. (Xenix)

Im Freien stehen Stühle, die ebenso auf ein Publikum warten wie der Mann mit den Feldstechern. Vorher kommt aber ein Amischlitten angefahren, aus dessen Kofferraum ein Sheriff klettert und fragt: «Warum war E.T. braun? Es gibt keinen Grund.»

Ein Film, der so schräg anfängt, kann nur abgedreht sein. Und «Rubber» ist voll abgedreht. Natürlich gibt es auch keinen Grund, warum ein alter Autopneu zum Leben erwacht und mit telekinetischer Kraft die Köpfe von allen möglichen Leuten zum Explodieren bringt.

Surreal wie ein Trickfilm
Doch, einen Grund gibt es. Das Drehbuch. Geschrieben hat das verrückte Teil Quentin Dupieux, der auch gleich noch für Regie, Kamera und Schnitt verantwortlich zeichnet. Dabei ist der Franzose eigentlich Musiker, der 1999 als Mr. Oizo mit «Flat Beats» einen Millionenhit hatte.

Nun ist auch der «Flat Tyre» namens Robert ein Hit, allerdings nicht als Song, sondern als kreisrunder Hauptdarsteller im Film «Rubber». Und dieser Film ist so surreal, dass er direkt vom legendären Trickfilmer Tex Avery stammen könnte.

Zwischen Hitchcock und Kafka
Da beginnt ein alter Autoreifen einen Rachefeldzug, weil die bösen Menschen seine Familie verbrannt haben. Da kämpft ein bärbeissiger Sheriff so selbstverständlich gegen den Reifen, als befände er sich in einer Kafka-Geschichte. Da schaut ein Publikum live vor Ort dem Geschehen zu.

Meist sagen die Zuschauer im Film genau das, was wir im Kinosessel selber denken. Das ist spitzbübisch und hintersinnig sondergleichen. «Rubber» funktioniert über weite Strecken wie ein Metafilm, der en passant auch noch Klassiker wie Hitchcocks «Psycho» oder Cronenbergs «Scanners» zitiert.

Trash für Filmkenner
«Rubber» ist köstlicher Trash für Filmliebhaber und Intellektuelle. Und wir Schweizer erkennen in der geheimnisvollen Hauptdarstellerin Roxanne Mesquida sogar «unser» Sennentuntschi wieder. Was will man mehr? (rb)

«Box-Office»-Beitrag von SF

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