Buch-Tipp: «Hemmersmoor» von Stefan Kiesbye
Das düster schaurige Cover von Hemmersmoor.
Hemmersmoor ist ein fiktives Dörfchen am Rande eines grossen Moores in Norddeutschland. «O schaurig ist's übers Moor zu gehen, (...)» stellte schon Annette von Droste-Hülshoff 1842 im Gedicht «Der Knabe im Moor» fest.
Stefan Kiesbye nutzt alle beklemmenden Assoziationen zum Thema «Moor» und bewegt sich auch auf anderen düsteren Schauplätzen, wie zu Beginn des Buches auf dem Friedhof. Vier Erwachsene stehen rund ums Grab von Anke.
Schaurig ist's!
Sie sind alle in Hemmersmoor aufgewachsen und treffen sich nun wieder. Von Trauer ist nichts zu spüren: «Als der Leichenbestatter sich entfernt, (...) tritt Linde auf das Grab zu, betrachtet die Inschrift und umkreist das Grab, als ob sie sichergehen möchte, dass Anke auch wirklich nicht heraus kann. (...) Sie spuckt laut aus. «Du mieses Stück!» sagt, sie, «Da hast du, und stampft auf der frischen Erde herum.
Allmächtiger Aberglaube
Die Fünf haben sich als Kinder und Jugendliche - nach dem Vorbild der Erwachsenen - furchtbare Dinge angetan, von Psychoterror über brutale Gewalt bis hin zum Mord.
Der Roman wird aus der Sicht jedes Einzelnen erzählt, sie erzählen, wie es damals in 50er/60er Jahren war, Reue empfindet keine/r:«Hemmersmoor» ist ein Lebensgefühl, das sich nicht austreiben, aber auf den im Dorf allmächtigen Aberglauben abschieben lässt und das gibt dem Buch das gewisse Etwas: Auch wenn der Leser glaubt, es besser zu wissen, fragt er sich: Stecken vielleicht dunkle, unerklärliche Kräfte hinter den Verbrechen?
«Hemmersmoor» ist ein Muss für: Bedeckte. Der optimale Ort, um diesen Roman zu lesen ist unter der Bettdecke. Dort ist man in Sicherheit. Oder? Schauen Sie besser noch einmal unters Bett ...
Tanja Kummer
Mehr zum Stichwort:

