Stichworte zum World Economic Forum
Die Organisation
Das World Economic Forum (WEF) ist eine gemeinnützige Stiftung, die in Genf ansässig ist. Bekannt ist die Stiftung vor allem für das jährliche Treffen in Davos. Das Forum organisiert auch ein jährliches Meeting in China sowie verschiedene regionale Treffen im Verlauf des Jahres. Daneben gibt das Forum Forschungsberichte zu wirtschaftlichen Themen heraus.
Die Anfänge
Im Jahr 1971 organisierte Klaus Schwab, damals Professor für Unternehmenspolitik an der Uni Genf, unter dem Titel «European Management Forum» auf eigenes finanzielles Risiko eine Konferenz für europäische Unternehmer, um mit ihnen die neuesten Managementmethoden aus den USA zu studieren. Der damals 32-Jährige war der Meinung, die Europäer hätten auf diesem Gebiet Nachholbedarf.
Die Entwicklung
1974 wurde das Themenspektrum der Konferenz von Managementfragen auf wirtschaftliche und soziale Themenbereiche ausgeweitet und Schwab lud erstmals auch führende Politiker nach Davos ein. Dass die Idee auf fruchtbaren Boden fiel, zeigte die Entwicklung in den ersten fünf Jahren. Nahmen am ersten Treffen knapp über 400 Personen teil, so waren es bei der fünften Austragung 1975 bereits über 800. Die Bedeutung des WEF wuchs mit jedem Jahr. 1987 wurde aus dem European Management Forum das World Economic Forum.
Das Ziel
Erklärtes Ziel der jährlichen Veranstaltung in Davos ist es, «den Zustand der Welt zu verbessern». Bei Seminaren und Diskussionen reden die Teilnehmenden über globale wirtschaftliche Probleme und suchen Lösungsansätze für politische sowie soziale Herausforderungen. Vor allem aber nutzen die Teilnehmenden die Konferenz, um persönliche und geschäftliche Kontakte zu knüpfen und auszubauen.
Die politischen Meilensteine:
Das Treffen wird von politischen Gegnern manchmal auch als neutrale Plattform für erste Kontaktaufnahmen genutzt. Einige wichtige politische Ereignisse der vergangenen Jahre:
- 1988: Griechenland und die Türkei unterzeichnen die Davoser Deklaration und verhindern so einen Krieg.
- 1989: Nord- und Südkorea treffen sich in Davos zum ersten Mal auf Ministerebene.
- 1992: Der südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk und der Widerstandskämpfer Nelson Mandela treten in Davos gemeinsam auf und geben sich die Hand.
- 1994: Shimon Peres und Jassir Arafat schliessen in Davos das Gaza-Jericho-Abkommen ab.
- 2000: Der amerikanische Präsident Bill Clinton nimmt am Forum teil und spricht im Kongresszentrum.
- 2002: Das Forum will ein Zeichen setzen: Das Jahrestreffen findet nicht in Davos, sondern - als Positionsbezug zum Terroranschlag vom 11. September 2001 - in New York statt.
Die Proteste
Globalisierungskritiker kämpfen seit Jahren auch gegen das WEF. Der Protest in der Schweiz manifestierte sich in mehr oder weniger phantasievollen Aktionen. So kamen die Demonstranten etwa als Skifahrer verkleidet nach Davos. Mehrmals kam es zu Ausschreitungen. Im Jahr 2000 etwa zogen 1000 Demonstrierende durch Davos und zertrümmerten die Schaufenster der McDonalds-Filiale. 2003 werden die Globlisierungskritiker vom Davoser Kongresszentrum ferngehalten. Es kommt zu Unruhen in Zürich, Bern und Basel.
Die offenen Foren
Seit einigen Jahren können Aktivisten und WEF-Gegner beim so genannten Open Forum am Konferenzort in Davos teilnehmen. WEF-Gründer Schwab schuf ausserdem Foren für den Nachwuchs der Young Global Leaders, für Social Entrepreneurs, NGO sowie religiöse, akademische und kulturelle Führungskräfte.
Das Geld
Das World Economic Forum wird von rund 1000 Mitgliedsfirmen finanziert. Laut 2005 veröffentlichten Zahlen beträgt der Jahresbeitrag 42'500 Franken. Dazu kommt eine Konferenzgebühr von 18'000 Franken. Für einen Aufpreis, der zwischen 250'000 Franken und 500'000 Franken liegt, kann eine Firma zum Partner des Forums werden.
Die Stars
Internationale Stars des Showbusiness erscheinen immer wieder in Davos - so etwa die US-Schauspielerin Angelina Jolie und ihr Mann Brad Pitt, U2-Rocker Bono oder das Model Claudia Schiffer. Legendär ist der Auftritt der Schauspielerin Sharon Stone. 2005 stand sie während einer Rede des Präsidenten von Tansania auf und bot ihm 10'000 Dollar für den Kauf von Moskitonetzen für sein Land an. Ihr Aufruf, sich der Aktion anzuschliessen, brachte im Saal eine Million Dollar zusammen. Die Aktion wurde aber als nicht besonders geschickt beurteilt, da die 140'000 gelieferten Moskitonetze die lokale Produktion in Tansania einbrechen liessen.
Die Teilnehmenden
Auch in diesem Jahr ist die Gästeliste in Davos illuster und schwergewichtig. Die Eröffnungsansprache hält der russische Präsident Dmitri Medwedew. Insgesamt werden 35 Staats- und Regierungschefs und mehr als 80 Minister in Davos erwartet. Sie sollen in rund 250 Sessionen mit insgesamt 2500 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren. Rund die Hälfte der Teilnehmer stellen die Unternehmen, die als Mitglieder das WEF finanzieren. (ank/luek, sda/ddp)
