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Dienstag, 14.10.2008

...und Radio hören macht wirklich Lärm: Der «Fall Dinkelmann»

(key)

In den ersten zwei Jahren nach dem Start wurde immer wieder Kritik laut an den journalistischen Leistungen von DRS 3. Ein Höhepunkt wurde im Sommer 1985 erreicht. Ein Jahr vor der definitiven Konzessionserteilung brachte der «Fall Dinkelmann» gar den damaligen Radiodirektor Andreas Blum in Bedrängnis.

«Niederträchtig» schimpfte die NZZ, «Politische Beeinflussung» erzürnte sich die SVP. DRS 3 wurde von einem Sommerskandal erschüttert. Der Grund: Die Äusserung von Schriftsteller Fritz H. Dinkelmann als Gast in der Sendung «Graffiti kursiv». Geplant war es als Zeitungskommentar im Radio – von Menschen, die «etwas zu sagen» hätten, sagte die zuständige Redaktorin Barbara Bürer. Der amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan hatte soeben eine Krebsoperation überstanden. Dinkelmanns Kommentar zu Reagan: «Dieser Mann wird weiterwuchern – in Nicaragua, aber auch in Europa», und weiter: «Er ist mit Hitler nicht zu vergleichen, schon darum nicht, weil der amerikanische Präsident bekanntlich unverwüstlich ist».

«DRS 3 zu links»
Bereits am nächsten Tag gab Dinkelmann zu, er sei «dem amerikanischen Präsidenten zu nahe getreten». Doch auch damit vermochte er nicht zu besänftigen. Im Gegenteil. Bei Zuhörern, Zeitungen, der SVP war die Rage derart gross, dass eine Entschuldigung der SRG gefordert wurde. Die DRS 3-Redaktoren wurden von Parteien wie der SVP und gewissen Medien als unfähig bezeichnet und die Moderatorinnen und Moderatoren als politisch «links» - das sei schon immer so gewesen.

SRG entschuldigt sich
Unter dem Druck entschuldigte sich die SRG bei den Zuhörern, die sich beschwert hatten. «Jedoch nicht bei der Öffentlichkeit», wie die Aargauer Zeitung bemängelte. Fast einen halben Monat hagelte die Kritik von allen Seiten auf das jüngste Kind der SRG ein, bis sich der Radiodirektor Andreas Blum einschaltete. Dem Ringier-Verlag gab er Interviews, in denen er unter anderem sagte, die laute Kritik an der Sendung sei eine von den Medien inszenierte «Hysterie». Die Antwort der NZZ war die Frage, wie lange er noch als Radiodirektor haltbar sei.

Noch ohne Konzession
Was man wissen sollte: Der Bundesrat hatte noch nicht definitiv «Ja» zu DRS 3 gesagt. Die Konzession sollte erst im Herbst 1986 endgültig erteilt werden – oder auch nicht, wie viele hofften.  Denn immer wieder machte DRS 3 Furore mit seinen journalistischen Leistungen – und immer wieder wurde der Vorwurf laut, DRS 3 sei zu «links». Das dritte Programm des Schweizer Radios eckte an. Oder mit dem späteren DRS 3-Slogan gesagt: «Radio hören macht Lärm». (jam)

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